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Flüchtlingsunterbringung in früherer KZ-Baracke: „Darf man“ das, was Schwerte vorhat?

Darf eine Kommune Flüchtlinge in einer ehemaligen KZ-Baracke unterbringen? Unnas Nachbarstadt Schwerte hat mit diesen Plänen für einen Aufschrei der Empörung gesorgt – und zwar bundesweit. Das Vorhaben macht inzwischen in ganz Deutschland Schlagzeilen. Vorgesehen ist die Unterbringung von ca. zwei Dutzend Flüchtlingen  im ehemaligen Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald (Schwerte-Ost).

Heinrich Böckelühr

Bleibt bei seinen Plänen: Schwertes Bürgermeister Heinrich Böckelühr.

Bei einer Pressekonferenz am heutigen Vormittag verteidigte CDU-Bürgermeister Heinrich Böckelühr die Pläne. Zuvor hatte diese (undankbare) Aufgabe auch schon sein Pressesprecher wahrnehmen müssen, der Unnaer CDU-Ratsherr Carsten Morgenthal.

Medien in ganz Deutschland haben die Pläne der Ruhrstadt inzwischen aufgegriffen und kommentieren sie äußerst kontrovers. Bürgermeister Böckelühr wehrt sich gegen die massive Kritik. Auswertungen von Luftbildaufnahmen hätten jetzt ergeben, dass das Haus erst in den 50er Jahren gebaut worden sei. Die ursprünglichen Lagerbaracken seien nach dem Krieg abgerissen worden.

Der Bürgermeister war mehr als überrascht, dass die Flüchtlingsunterbringungspläne seiner Stadt buchstäblich um die Welt gingen: Denn auch ausländische Medien haben sie bereits aufgegriffen. Die Rückendeckung des Rates hat Böckelühr, wehrt sich gemeinsam mit dem Stadtparlament gegen Verurteilungen.

Die Stadt habe ihre Vergangenheit beispielhaft aufgearbeitet und sogar eine Gedenkstätte errichtet. „70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dürfen nicht alle Gebäude tabu sein“, wird Böckelühr in verschiedenen Online-Medien zitiert. Davon abgesehen ist Schwerte nicht allein mit seinem Vorhaben. Aufgrund der immensen Not an geeigneten Flüchtlingsunterkünften planen auch andere deutsche Städte Gebäude mit historisch nicht ganz zweifelsfreier Vergangenheit ein.

Solche Diskussionen können Unna mit seiner Landesstellen-Problematik immerhin nicht passieren: Die für Flüchtlingsunterbringung genutzten Gebäude im Massener Norden wurden ohne jeden Zweifel nach dem ersten Weltkrieg gebaut.

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