Rundblick-Unna » Flucht vor Verfolgung, Folter und unvorstellbarer Armut: Filmdoku über Landesstelle Massen will heute aufklären

Flucht vor Verfolgung, Folter und unvorstellbarer Armut: Filmdoku über Landesstelle Massen will heute aufklären

Ein junger Kurde, der 14 Jahre in Deutschland zu Hause war, wurde bei einem Besuch seiner Mutter in Syrien verhaftet, gefoltert und zum Militär gezwungen. Nach 3 Jahren gelang ihm über die Türkei die Flucht zurück. Zwei Freunde aus Ghana mussten fliehen, weil sie zwischen die Fronten von Clankriegen geraten sind. Zwei Familien aus Syrien möchten ihre Kinder nicht mehr den Bombenangriffen und Heckenschützen aussetzen.

Solche Schicksale finden sich in der früheren – und jetzt wieder so genutzten – Landesstelle in Unna-Massen. Heute (17. 12.) zeigen die Grünen eine Doku dazu (ab 19 Uhr in der Gaststätte Agethen -„Aggi“ – Hertingerstraße). Und sie laden ein, den Film gemeinsam anzuschauen und mit dem Filmemacher zu diskutieren.

„Platz ist da! Es kommen wieder Flüchtlinge in die ehemalige Landesstelle.“ So heißt der Dokumentarfilm von Horst Herz, der heute Abend selbst anwesend sein wird. Um möglicherweise mit dem einen oder anderen Vorurteil zum Thema Flüchtlinge und Landesstelle aufzuräumen.

Auf seiner Website hat der Filmemacher die wichtigsten Aussagen der Doku zusammengefasst. „Vier Jahre stand sie leer“, schreibt er – „eine Wohnsiedlung in Unna-Massen, gebaut für bis zu 4000 Flüchtlinge.“ Zusätzlich zu den bisher wieder 800 untergebrachten Menschen wäre aus Horst Herz´ Sicht noch Platz für weitere Flüchtlinge in der ehemaligen „Landesstelle für Aussiedler, Zuwanderer und ausländische Flüchtlinge in NRW“. „Doch das Land NRW ist sich mit der Stadt Unna nicht einig über die zukünftige Nutzung“, kritisiert der Filmemacher, „und das in einer Zeit, in der viele Kommunen nicht wissen, wo sie die rasant ansteigende Zahl von Asylsuchenden – vor allem aus Syrien, Äthiopien oder Afghanistan – unterbringen sollen.“

Landesstelle Massen

Die Menschen, die in Unna vorübergehend eine Erstaufnahme gefunden haben, erzählen in der Doku, warum sie aus ihren Heimatländern fliehen mussten. So etwa jener junge Kurde, dem aus gelang, vor Haft und Folter aus der Türkei zu fliehen und so sein Leben zu retten.

„Neben Bürgerkriegsflüchtlingen sind viele der Ankömmlinge auf der Flucht vor unvorstellbarer Armut“, schreibt Horst Herz weiter in seiner Filmzusammenfassung. Roma aus Südosteuropa berichten von menschenunwürdigen Unterkünften und Angst vor dem Winter. In Deutschland wollen sie versuchen, Arbeit zufinden. „Damit wir nicht hungern müssen und meine Tochter zur Schule gehen kann“. erzählt ein junger Mann aus Mazedonien.

Es gibt noch viele Beispiele von Diskriminierung und Rassismus, mangelnder medizinischer Versorgung, Armut und Bedrohung, geschildert von den Asylsuchenden in Unna. Dabei fällt es ihnen nicht leicht, sich vor der Kamera zu äußern. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt, ob sie mit ihren Kindern eine Zukunft in Deutschland haben.

landesstelle

Der ehemalige Leiter der Landesstelle in Unna, Siegfried Pogadl, jedenfalls fordert die weitere Aufnahme von Flüchtlingen in Unna-Massen, alles andere sei eine „Ressourcenverschwendung“ der vielen leer stehenden Wohnungen. in der „vergessenen Insel“ Unna-Massen.

http://www.platz-ist-da.filmsite.de/

(Foto: Grüne Unna)

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