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(Fast) ganz Unna soll Tempo-30-Zone werden

Tempo 30 auf der kompletten Hammer Straße, auf der Hansastraße, sogar auf dem Verkehrsring und nicht zuletzt auf der Friedrich-Ebert- sowie der Kamener Straße. Keine „Vision“ (mit der man laut Altbundeskanzler Helmut Schmidt zum Arzt gehen sollte), sondern durchaus realistisch für Unna.

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Schon ab Mitte 2015 könnten die Verkehrsteilnehmer dergestalt stadtweit auf die Bremse gezwungen werden – im Zuge der Umsetzung einer EU-Richtlinie zum „Umgebungslärm“. Auch, damit Bürger (wie in unserem Bild in Fröndenberg) nicht mehr mit eigenkonstruierten Tempo-30-Schildern zur Selbsthilfe greifen müssen.

Im Straßenverkehrsausschuss gestern Abend ging es um reinen Kfz-Lärm auf Unnas Hauptverkehrsstraßen. Ein unabhängiges Ingenieursgutachten, das dazu vorgestellt wurde, kommt zu dem Ergebnis: Es geht. Tempo 30 ist machbar.

Paul Raupach

Paul Raupach (SPD): „Man kann sich durchaus damit anfreunden.“

„Es sorgt keineswegs für flächendeckenden Verkehrskollaps und bringt auch nicht den Busfahrplan aus dem Takt“, fasst SPD-Ausschussmitglied und Bauingenieur Paul Raupach die aufschlussreichen Ergebnisse zusammen. Tempo 30 auf der Friedrich-Ebert- und der Kamener Straße – da fragt man sich natürlich ketzerisch, wann man dort überhaupt einmal „so schnell“ fahren kann, da man ja die meiste Zeit im Stau steht respektive im Stop and Go zwischen roten Ampeln.

„Dieser Einwand kam auch natürlich in der lebhaften Diskussion“, bestätigt Paul Raupach. Ein interessanter Vorschlag sei deshalb aus dem Behindertenbeirat in die Debatte eingeflossen: Tempo 30 nur zu bestimmten Tageszeiten. An der Friedrich-Ebert- und der Kamener Straße – praktisch durchgehend Wohnstraße – wäre es in der Nacht sinnvoll, meint auch Raupach für die SPD.

Die Sozialdemokraten können sich überhaupt recht gut mit der großflächigen Umsetzung der EU-Richtlinie anfreunden. Auch mit Tempo 30 auf dem Verkehrsring. Wieso nicht, meint Raupach? „Derzeit ist dort grüne Welle bei Tempo 50. Es dürfte technisch kein Problem sein, die Ampelschaltungen an Tempo 30 anzupassen.“

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Mit Tempo 30 rund um den Verkehrsring: keine behandlungsbedürftige „Vision“, sondern laut Gutachten praktikabel und lärmmindernd.

Mehr Zähfluss als jetzt oder gar den befürchteten „Verkehrskollaps“ würde die Reduzierung um 20 km/h nicht heraufbeschwören, stellt das Ingenieurbüro Protter in seinem Gutachten fest. Dafür würde ein generelles Tempolimit messbar den Verkehrslärm reduzieren: von derzeit durchschnittlich 70 Dezibel auf 67 bis 68, sagt Paul Raupach. „Zwei bis drei dB weniger hört sich zunächst nicht besonders relevant an; die Reduzierung verläuft aber nicht linear und ist für menschliche Ohren schon wahrnehmbar“, weiß er.

Den Befürwortern einer „Tempo 30-Zone Stadt Unna“ schließt sich übrigens auch die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna an (VKU), die für das Gutachten deutlich machte: Den Busfahrplan bringt das reduzierte Tempolimit nicht aus dem Takt. Noch Zweifel hegt die CDU mit Blick auf die Leistungsfähigkeit der Straßen.

Die SPD ihrerseits möchte zwei wesentliche Aspekte vor einer Umsetzung von Tempo 30 noch geprüft bzw. berücksichtigt wissen: „Ob ein Lkw mit Tempo 30, Tempo 20 oder Tempo 10 über eine Straße fährt – er macht immer Krach, wenn der Straßenbelag kaputt ist„, betont Paul Raupach. Deswegen müssen nach Forderung seiner Fraktion zuerst die betreffenden Straßen in Schuss gebracht werden, bevor dort das erste 30er-Schild hingepflanzt wird.

Zum Zweiten sind für Raupach auch die Fahrzeuge selbst ganz wesentlich zu berücksichtigen: „E-Autos erzeugen gar keinen Lärm“, gibt er zu bedenken. Und verweist auf die Umweltzonen, die die Stadt Dortmund für ihren Durchgangsverkehr geschaffen hat.

Das Gutachterbüro wird diese Anregungen in den weiteren Ausarbeitungen berücksichtigen. Jetzt fangen die Verhandlungen mit den Straßenbaulastträgern an (Kreis, Land und Bund). Mit Ergebnissen ist frühestens im Frühjahr, eher Mitte kommenden Jahres zu rechnen. Bürgerinformationen wird es zum Thema auch noch geben.

Um folgende Straßen geht es bei der Tempo-30-Diskussion:

Käthe-Kollwitz-Ring, Ostring, Südring, Hansastraße, Friedrich-Ebert-Straße, Kamener Straße, Hammer Straße (bis zur Ortsgrenze Kamen-Heeren), Massener Straße sowie Kleistraße in Unna-Massen.

 

Kommentare (16)

  • Hanno

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    Ich freue mich schon auf die Beschwerden, wegen der provozierten Staus, der dicken Luft, der Tempoüberschreitungen, des Zeitverlusts und das alles nur, damit der Lärm ein klein wenig abnimmt….

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  • Jackie

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    Grüne Welle bei 50km/h auch dem Ring? Das ich nicht lache. Wir wäre es mal mit Tempo 50kmh auf der B1 in Unna statt 70 km/h?

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  • franz

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    Aber dann auch nicht vergessen ,es müssen mehr Blitzer aufgestellt werden zum Abzocken !

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  • Sascha Krieg

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    Gehts noch, Herr Stöckel???
    Zwingen sie doch gleich die ganze Stadt aufs Fahrrad.
    Ihr Politiker macht einen Mist nach dem nächsten, und was kommt dabei raus?
    Fast nie etwas gutes!

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  • franz

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    BLITZERPARADIES UNNA dann !

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  • Peter

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    Ich denke, dass keiner dazu gezwungen wird, da zu wohnen !

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  • Christoph Tetzner

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    Das vorgestellte Gutachten war ein Vorschlag eines Lärmgutachters, der beauftragt wurde, um zu prüfen, wie man eine EU- Richtlinie umsetzen kann. Hier wird auf die Mathematik zurück gegriffen, nicht auf reelle Messungen der wahren Belästigungen. Hinzu kommt, dass man dabei von Straßen im Bestzustand ausgeht.
    Der Einwurf von der FW/FLU, dass dies ja mal wieder, wie im Gutachten vorgestellt, die „kostengünstigste Lösung“ sei, bleibt in dem Artikel genauso unberücksichtigt in dem Artikel, wie die von mir erwähnten Probleme bei schlechterem Verkehrsfluss mit Feinstaub!
    Es muss doch jedem klar sein, dass, wenn wir die wesentlichen Ausfallstraßen mit Tempo 30 versehen, auch der Verkehrsfluss aus der Stadt darunter leiden wird.
    Es wurde bisher nichts entschieden; lediglich haben wir dieses Gutachten zur Kenntnis genommen.

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  • Hermann Oehring

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    Ich weiß nicht, was im Rathaus getrunken wird, aber es scheint nicht gut zu sein! In anderen Städten wird der Verkehrsfluß beschleunigt, in Unna wird er ausgebremst. Gott sei dank steigt damit auch die Schadstoffbelastung, denn die Bürger hier werden wohl zu alt. Der einzige Vorteil für die Stadt (Dorf) sind die sprudelnden Einnahmen von den Blitzern. Warum nicht wie Früher wieder Raubritter einsetzen, dann könnte man sich die Schilder auch sparen.

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  • dj

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    erst stau verursachen in dem man den großen Kreisverkehr einspurig macht… war auch sinn frei… da der stau bis in den tunnel auf dem ring reicht sehr löblich im Tunnel stau zu verursachen… und dann noch 30 dazu natürlich noch mehr so schwachsinnige ideen…. mit logisch denken habt ihr nichts am Hut :D:D:D

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    • Hanno

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      So ist das, wenn die Groko nicht nur in Berlin regiert. Demnächst wird in Unna noch Maut kassiert. :-))
      Wenn man als Groko eine satte Mehrheit hat, bleibt die Diskussion um die beste Idee auf der Strecke. Andere Meinungen werden doch jetzt schon ausgeblendet mit Hilfe des großen und einzigen Presseorgans.
      Stillstand, nichts wird angepackt. Mutlose Politik, weil man ja den großen Mehrheitsbeschaffer nicht verprellen will. Siehe Umfallen der Spd in Sachen Baumschutz Richtung Cdu. Gewöhnt Euch dran, die nächste Zeit wird Unna ein Schlaf- und Schnarchnest, in dem die Groko alles ohne Diskussion durchwinkt oder verschiebt, damit man dem mehrheitsbeschaffer nicht wehtut. Gute Nacht Unna !

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  • Julia

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    Die Idee ist genau so gut wie die mit der Minimierung auf eine Spur am Kreisverkehr. Der Lärm nimmt nicht ab, im Gegenteil der nimmt zu, weil alle im Stau stehen. Außerdem wird die Umwelt verschmutzt, da die Autos länger unterwegs sind. Es spricht einfach gar nichts dafür ! Und ich bekomme ja jetzt schon Aggressionen, weil alle rumpimmeln und man am Kreisverkehr Minuten lang stehen muss. Ihr könnt eure zeit verschwenden, meine ist mir zu schade!

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  • empört

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    wenn die das machen dann fahr ich überall mit dem ersten gang, damit es so viel lärmbelästigung gibt wie möglich.
    WAs soll das. es fahren doch schon so viele alte leute auf den straßen. tagtäglich bin ich um16 uhr auf dem ring.m
    50 kmh sind erlaubt, aber die leute fahren nicht 50 kmh die fahren 35-40kmh. ich will mir nicht ausmalen wie schnell sie fahren würden, wenn es zu einer 30er zone wird.
    ich hoffe wer diese 30er zone umsetzen wird, wird einen schrecklichen juckreiz an seinem after haben.

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  • Iris G.

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    Juhu! Dann haben Fahrer von E-Fahrrädern und E-Rollstühlen ja nur noch den Vorteil, leise von der Geschwindigkeitskontrolle erfasst zu werden 😉

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  • Iris G.

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    Außerdem schlägt die Stadt Unna mit dieser Maßnahme gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Inklusion ist schließlich auch ein großes Thema. Endlich können Menschen mit Gehbehinderung, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind am fließenden Straßenverkehr in Unna teilhaben.

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  • Christel

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    Im Hellweger steht heute dazu ein großer Artikel. Ziemlich entlarvend ! Dort wird Polizist Fröhlich wörtlich zitiert, dass man den Bürger nur durch Strafe erziehen kann. Der Mann wird seinem Ruf gerecht.

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  • Dimitri

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    Das ist nur reine Geld Abzocke. Die stellen Blitzer da wo es schnell gefahren wird und nicht z.B an der Schulen. Wenn die jetzt z.B auf Hammerstrasse 30-er Zone machen und da mobile Blitzer ein oder zwei mal im Monat raus stellen, dann wird da so was von geblitzt. Ich mein jetzt das an eine Schule ein Blitzer zu stellen hat mehr Priorität, als in 70-er Zone mit Feldern. Und man stellt komischer Weise einen Blitzer, da wo man richtig Geld verdienen kann. Ist nur so eine Bemerkung von mir.

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