Rundblick-Unna » Fakes und Fakten – und die Schwierigkeit (auch für uns), eins vom anderen zu trennen

Fakes und Fakten – und die Schwierigkeit (auch für uns), eins vom anderen zu trennen

„Hamm: Von 6 Jugendlichen (13-16) geprügelt, getreten, beraubt.“  Mit diesem Titel meldeten wir am Donnerstag voriger Woche (6. Juli) den widerwärtigen Überfall einer jugendlichen Schlägertruppe auf einen jungen Mann in Hamm.

Weil die Frage nach den Täternationalitäten bei solchen Gewalttaten  meist eher früher als später von Lesern offen gestellt wird, stellten wir auch diesmal noch vor Veröffentlichung des Berichts  bei der Hammer Polizei Nachfrage.  Denn die dortige Polizeipressestelle nennt  Nationalitäten so gut wie nie, hält sich in sehr enger Auslegung an die Leitlinie des Innenministeriums NRW.

Wir stellten also telefonisch unsere Anfrage und verfassten aus den Informationen folgende Meldung:

„Fast noch Kinder…

Ein 20-Jähriger wurde am Mittwoch gegen 19 Uhr auf der Neuen Bahnhofstraße in Hamm Opfer eines Überfalls. Sechs jugendliche Täter traten und schlugen auf ihn ein und raubten sein Handy. Der 20-Jährige wurde dabei leicht verletzt, eine ärztliche Behandlung war jedoch nicht nötig. Im Rahmen der schnell eingeleiteten Fahndung konnte die Polizei vier Tatverdächtige im Alter von 13 bis 16 Jahren festnehmen, sie alle wurden nach der Vernehmung wieder entlassen und in die Obhut ihrer Erziehungsberechtigten übergeben.“ Zusatz (von uns bei der Polizei Hamm erfragt): „Alle vier Jugendlichen sind Deutsche. Der 20-Jährige bekam sein Handy zurück.“

Daraufhin brach umgehend unter Kommentatoren auf der Website und auf  Facebook eine Debatte über die Bezeichnung „Deutsche“ los. Einige User unterstellten auf ganz selbstverständliche Art „Migrationshintergrund“, einer warf uns Relativiererei und unverblümte Falschberichterstattung vor, und da er sich bemüßigt fühlte, dies mehrfach unter einem offensichtlichen Fakeprofil in pöbelhafter Art zu  wiederholten, beschlossen wir, uns von ihm zu verabschieden.

In der folgenden Nacht reichte ein anonymer Schreiber namens „sando“ auf unserer Website folgenden Kommentar ein:

„Da sind aber einige Fehler in den Artikeln …das Handy hat der Geschädigte nicht zurück bekommen und nein es handelt sich bei den Tätern nicht alles um deutsche Jugendliche ! Außerdem gehört der Täter aus dem 1.Fall auch zum Kreis der Täter vom 2. Raubüberfall auf den jungen Mann…Dann sollte noch angemerkt werden ,dass bei den festgenommenen Tätern weiteres Diebesgut sichergestellt wurde, welches mit keinen der beiden anderen Fälle was zu schaffen hat…“

Wir gaben den Kommentar frei und antworteten „sando“ ebenso öffentlich wie folgt: „Unsere Informationen stammen von der Polizei Hamm, „sando“. Für deine korrigierenden / weitergehenden Behauptungen bitte die nachvollziebharen Quellen nennen, sonst bleiben sie als reine Behauptungen hier stehen. Danke.“ Der Schreiber antwortete daraufhin: „Ich bin mit dem Geschädigten verwandt …das sollte ausreichend genug sein denke ich einmal.“

Wir dankten „sando“ für seine Rückmeldung und gaben seine Behauptungen mit der Bitte um Stellungnahme wiederum an die Polizeipressestelle Hamm weiter. Der Polizeisprecher antwortete uns am Freitag (7. Juli) schriftlich wie folgt:

„Ich finde Ihre E-Mail „befremdlich“. Es hört sich so an, als ob Sie von der Polizei Hamm Falschauskünfte erhalten haben. Das entspricht nicht den Tatsachen.

Ihr Fragen beantworte ich wie folgt:

1.       Alle ermittelten Tatverdächtigen sind deutsche Staatsbürger

2.       Das Handy hat der Geschädigte tatsächlich noch nicht wiederbekommen (steht aber auch nicht in der Pressemeldung der Polizei Hamm)

4.       Die Polizei hat am Festnahmeort eine Laptoptasche sichergestellt. Ob es sich hierbei um Diebesgut handelt, wird derzeit noch ermittelt (dieses Detail stand nicht in der Pressemeldung – da laufende Ermittlungen –  und wurde auch nicht hinterfragt)!“

Mit der Versicherung, dass es uns fernliegt, der Polizei Unwahrheiten zu unterstellen (genau deshalb frugen wir ja nach), beschlossen wir zur Aufklärung dieses Sachverhalts ein weiteres Mal „sando“ zu kontaktieren: Wir baten ihn, sich über unsere Redaktionsmailadresse bitte kurz bei uns zu melden.

Statt „sando“ fühlte sich aber wiederum der ebenfalls ausschließlich anonym auftretende Kommentator „fürst“ zu folgender offener Mutmaßung berufen: „Ich glaube „sando“, der jetzt wahrscheinlich im Hintergrund „belehrt“ wird, daß auch ein „Deutscher mit Migrationshintergrund“ ein „Deutscher“ sein soll. Staatsangehörigkeit im Ausverkauf der Aktion „Deutschland schafft sich ab“.“  Von „sando“, dem angeblichen „nahen Verwandten“ des überfallenen 20 Jährigen aus Hamm, haben wir leider bis heute keine Rückmeldung erhalten. Deshalb wird es uns unmöglich bleiben, herauszufinden, wie und mit welchen Akteuren sich dieser Überfall am 5. Juli abends auf der Bahnhofstraße tatsächlich abgespielt hat: Wir waren nicht dabei.

Weshalb wir diesen Fall hier einmal so ausführlich schildern?

Wir sind mit unserem kleinen Team immer bemüht, unsere Berichte so nah an den Fakten zu halten wie möglich. Dazu gehört auch die Herkunftsnennung von Tatverdächtigen, einfach um Spekulationen und wilde Gerüchte immer sofort im Keim zu ersticken. Zuweilen (wie in diesem Fall) wird es diese Wahrheitsfindung uns aber schlicht unmöglich gemacht, und manchmal werden uns  nachträglich eingeholte Informationen schlicht auch nicht geglaubt. Dann müssen wir die Frage „Fake oder Fakten“  schlicht unbeantwortet im Raum stehen lassen.

Einen Migrationshintergrund können (und wollen) wir nicht herausfinden. Wie auch? Die Polizei wird weder Namen noch Familiengeschichte der Täter veröffentlichen. 

Auch stellt sich uns die Frage, ab wann jemand einen Migrationshintergrund hat. Wenn die Urgroßeltern aus Polen kamen? Die Großeltern aus Frankreich? Die Eltern aus Schweden?

Wir hoffen in solchen Fällen einfach auf euer Verständnis. Und wer uns wichtige Hintergründe mitzuteilen hat, bitte nicht scheuen, über den Messanger unserer Facebookseite oder über unsere Redaktionsmailadresse mit uns in Kontakt zu treten. Wir  haben bisher alle derartigen Hinweise (die oft erst den Ausschlag gaben, dass Vorfälle bekannt wurden) immer strikt vertraulich gehalten. Und das werden wir auch weiter tun.

Es grüßt euch euer RBU-Redaktionsteam.

Kommentare (8)

  • Helmut Brune

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    Meine Erfahrung ist, daß die Bericherstattung von Rundblick Unna auf wahren Fakten beruht, die, im Falle von kriminellen Handlungen, direkt von der Polizei stammen. Manchmal wird auf diese Berichte heftig reagiert und Leser stellen Dinge in den Raum, die auf eigenen Meinungen und Vorurteilen aufgebaut sind. Im Allgemeinen wird aber rechtzeitig eingegriffen, wenn die Geschichte aus der Hand zu laufen droht.

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  • Willy

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    Es gibt immer einige extreme Meinungen, in welche Richtung auch immer, die darf man nicht zu ernst nehmen oder, wenn sie in hässlicher Weise geäußert werden, einfach nicht zulassen.

    Migrationshintergrund sollte, so meine Meinung, nicht genannt werden wenn es sich um, ich sage es mal salopp, „normale“ Straftaten geht.
    Bei bandenmäßiger „Erwerbstätigkeit“, wenn sich große Clans gegen die Polizei zusammenrotten, sowie bei den „typischen“ Straftaten unserer Gäste, bei allem was heraussticht, da allerdings gehört es dazu, Ross und Reiter zu nennen.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Willy, wo ziehst du dann aber die Grenze? Welche Straftat ist „normal“, bei welcher ist die weitere Nennung von Hintergründen „wichtig“? Taschendiebstähle in Zügen werden z. B. fast ausschließlich von nordafrikanischen Bandentätern begangen (Quelle: Bundespolizei), hier von „Männern“ zu sprechen öffnet Spekulationen schon wieder Tor und Tür. Bundespolizei, wir haben es schon oft erwähnt, nennt generell Ross und Reiter bzw. die Nationalätäten jedes Tatverdächtigen und auch jedes Opfers. Da bleibt dann schlicht keine Frage mehr offen. Aus unserer Sicht der entschieden sinnvollere Weg. Danke aber für dein Statement!

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    • fürst

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      „Ross und Reiter“ sollten immer genannt werden. Das dürfen, ja, müssen „mündige Bürger“ erwarten.
      Das Leben ist, wie es ist.

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      • Redaktion Rundblick-Unna.de

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        Genau unsere Meinung, fürst. Es ist, wie es ist, nicht so, wie es manche gern hätten.

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  • fürst

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    Der RUNDBLICK ist natürlich nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn die Polizei als Erfüllungsgehilfe der Politik auch durch Weglassen bekannter Feststellungen als falsch anzusehende Informationen herausgibt. Daß sich der RUNDBLICK erkennbar inquisitorisch recherchierend immer wieder um Ergänzungsinformationen bemüht, ist recht offenkundig und befreit den RUNDBLICK von dem Verdacht, wie die meisten anderen Medien ebenfalls bloßer Erfüllungsgehilfe der aktuellen Politik zu sein. All dies gilt auch für fragwürdige Kommentare und Kommentarschreiber, zu denen ich mich -zumindest gelegentlich- gerne auch selbst zähle. Dies macht den RUNDBLICK für mich insgesamt glaubwürdig und dadurch bevorzugt lesenswert. Das hier zugrunde liegende Statement macht das Vorgehen des RUNDBLICK nachvollziehbar verständlich transparent. Ein lobenswertes Vorgehen das RUNDBLICK. Lobenswert schon zur Vermeidung ausufernder tendenziöser Mutmaßungen, wenngleich solche, das gesunde Volksempfinden widerspiegelnd, sich nachrecherchiert nicht selten als zutreffend erweisen.
    Vor letztgenanntem Hintergrund empfinde ich, seit Ausspähung des RUNDBLICK durch Radikale, so manche wohl den Linken sich andienende Kommentar“moderation als „Kommentar“zensur“; diese allerdings dem vernünftigen Selbstschutz geschuldet. Wozu staatlich geförderte Linksextremisten fähig sind, zeigte sich jüngst Hamburg.

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  • Willy

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    Grenzen ziehen und beachten ist immer schwer.
    Kritik an Eurer Berichterstattung aber auch, darum lese ich hier immer gern mit und meine, „macht weiter so“.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Danke für die netten Worte, Willy. :-)

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