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„Erziehung“ mit Strom – Tierquälerei auf dem Hundesportplatz?

Verkauf und Kauf sind erlaubt – Anwendung ist verboten. Dennoch werden sie angewendet – und zwar, so berichtet uns eine Hundehalterin aus Unna, auch auf Hundesportplätzen hier im Kreisgebiet. Die Rede ist von Stromhalsbändern.

Für die Hundeerziehung. Oder besser für die Quälerei von Hunden, kritisiert die Leserin, die anonym bleiben will. Sie ist der Redaktion bekannt.

„Warum wird nichts entschiedenen dagegen unternommen, warum z. B. bei Hundesportvereinen in Bergkamen, Hamm, Dortmund, Bochum, Castrop-Rauxel et. mit Stromhalsbändern ausgebildet wird?“, schrieb uns die Hundefreundin. „Wieso werden diese Halsbänder geduldet – und wird auch geduldet, dass es in Ortsgruppen Seminare gibt zum Einsatz von Stromhalsbändern?“

Da widersinnigerweise zwar der Einsatz dieser Halsbänder deutschlandweit verboten ist, aber nicht Handel und Besitz, ist der Beweis eines Verstoßes schwierig. Der Halter muss schon während des Benutzens des Halsbandes beim Hund „erwischt“ und „überführt“ werden.

Die Hundehalterin aus Unna schickte uns einige Facebookbilder, die einen Hund mit Stromhalsband zeigen. Aufgenommen wurden sie im Kreis Unna. „Auf den Bildern sieht man das Stromhalsband. Es ist nicht immer einfach, so ein Halsband zu erkenen, da es immer kleiner wird“, weiß sie.

Selbst Halterin eines Hundes findet unsere tierliebe Leserin es „traurig, was aus dem Hundsport in den letzten Jahren geworden ist! Ist denn ein Hund nur noch ein Sportgerät, das irgendwie funktionieren muss, notfalls eben so?!“

Nach ihrem Wissens gibt es immer weniger Hundesportler, die Ihren Hund artgerecht ausbildeten. „Viele benutzen mitlerweile Stromhalsbänder, um den Hund in ein zügiges Kommando zu bekommen.“

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In Hundeforen im Internet wird der Einsatz von Stromhalsbändern kontrovers diskuiert. So schildert eine Hundehalterin auf polar-chat eine Unterhaltung mit einem Hundetrainer und einem Ehepaar, Besitzer eines einjährigen Rüden.

„Der Rüde hat für 4 Tage bei dem Trainer gewohnt, war wohl vorher voll der Flegel. So… Nun hört er aufs Wort.“

Sie „quetschte“ den Trainer nach den Gründe aus, „er war auch ziemlich redselig. Er meinte halt, dass ich meinem Hund Schutz bieten muss, d.h. wenn jemand Fremdes kommt – besonders fremde Hunde – soll ich ihn immer heranrufen und mit ihm „bei Fuß“ an der „Gefahr“ vorbeigehen. Danach ihn ruhig hinlaufen lassen oder Ähnliches.“ Tja... „Und er halt halt, um das HIER! zu trainieren, Strom benutzt.“ Inzwischen trage Niro (so heißt der Hund) nur noch ein „Vibrierhalsband“, falls er doch einmal „vergesse“, bei Ruf zu kommen.

Die (sich erkennbar verwirrt bekennende) Hundefreundin zitiert die Überzeugung dieses Hundetrainers wie folgt:

„Es gibt nur eine Möglichkeit, einen Hund richtig zu behandeln und zu erziehen: Bindung und Schutz von dem Menschen aus. Schleppleine, Wasserspritzhalsband und Vibrierhalsband sind eine 70-Prozent-Chance, dass der Hund stehen bleibt – Strom jedoch 100 Prozent.“

Die Unnaer Hundehalterin erklärt das Prinzip des Stromhalsbandes:

„Am Halsband ist ein Plastikgehäuse mit zwei Kontakten, die durch das Fell auf die Haut des Hundes befestigt werden. Der Hundesportler hat einen Sender in der Hand oder Hosentasche, mit dem er ein Signal senden kann, so dass der Hund einen Stromstoß bekommt. Das ist Tierquälerei!“

Hinzu komme, dass Kinder und Jugendliche den Einsatz dieser Halsbänder miterlebten. „Durch das Vorleben der Sportler lernen die Kinder Tierquälerei.“

Was kann man dagegen machen – wer ist zuständig?

Der Kreis Unna ist als Veterinärbehörde auch für Tierschutzbelange zuständig. Pressesprecherin Constanze Rauert bestätigte uns auf Anfrage: „Der Einsatz von Stromhalsbändern (elektronische Hunde-Erziehungshilfen, so der offizielle Name) sind nach dem Tierschutzgesetz des Bundes verboten.“

Aktuelle Hinweise auf Verstöße liegen der Veterinärbehörde aktuell nicht vor, so Rauert. „Hat jemand eine Beobachtung gemacht, ist die erste Adresse die Polizei“, rät sie. Diese geht konkreten Hinweisen gegen das Tierschutzgesetz selbstverständlich nach – aber sie muss eben auch konkret und zeitnah davon Kenntnis erhalten.

Gericht Hammer

Das Urteil: Elektroreizgeräte zur Hundeerziehung sind tierschutzrechtlich verboten (Quelle: tierschutz.wikia.com)

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute (23. 2. 2006)  entschieden, dass der Einsatz von Elektroreizgeräten, die erhebliche Leiden oder Schmerzen verursachen können, bei der Hundeausbildung nach geltendem Tierschutzrecht verboten ist.

Der Kläger führt Seminare zur Hundeerziehung durch und möchte dabei den Einsatz von Elektroreizgeräten vorführen. Der beklagte Landkreis hält das für unzulässig. Das Bundesverwaltungsgericht gab dem Landkreis – wie schon die Vorinstanzen – Recht.

Das Tierschutzgesetz verbietet die Verwendung von Geräten, die durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres erheblich einschränken oder es zur Bewegung zwingen und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, soweit dies nicht nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften zulässig ist. Von diesem Verbot werden die vom Kläger verwendeten Elektroreizgeräte erfasst.

Dabei kommt es nicht auf die konkrete Verwendung der Geräte im Einzelfall sondern darauf an, ob sie von ihrer Bauart und Funktionsweise her geeignet sind, dem Tier nicht unerhebliche Schmerzen zuzufügen. Denn es entspricht der Absicht des Gesetzgebers, den Einsatz der potentiell gefährlichen Geräte generell zu verbiete! Nach dem Gesetz mögliche landes- oder bundesrechtliche Ausnahmen von dem Verbot sind bisher nicht normiert worden.

BVerwG 3 C 14.05 – Urteil vom 23. Februar 2006

Kommentare (9)

  • Regina

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    Das ist gleich ein Aufreger am Morgen für mich. Ich bin selbst Hundehalterin und nein, ich habe meine Hündin nicht mit einem Stromhalsband erzogen. Allerdings habe ich mich eine Zeit mit dem Thema beschäftigt, weil es in einer Fachzeitschrift einen Bericht darüber gab. Es gibt sicherlich verschiedene Gründe, warum Hundehalter ihren Hund so erziehen wollen. Fakt ist, es ist verboten. Ich kritisiere hier ganz klar die Leserin, die hier nicht genannt werden möchte. Warum bringt sie ihr Wissen nicht zur Anzeige??? Hat sie Angst sich mit einer Lobby anzulegen, der sie nicht gewachsen ist? Oder will sie einfach nur ein Sommerloch stopfen?
    Ihr Verhalten ist für mich gleichzusetzen mit z.B. : Kinder und Frauen werden in der Nachbarschaft verprügelt. Alle sehen und wissen es, aber auch alle schauen weg.
    Für mich bekleckert die Leserin, die nicht genannt werden möchte!, sich nicht gerade mit Ruhm.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Allerdings schreibst du doch selbst unter Pseudonym, Regina – da müsstest du doch eigentlich Verständnis für die Gründe haben, aus denen Menschen anonym bleiben wollen…?

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  • Regina

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    Richtig Rundblick Unna, ich schreibe unter meinem zweiten Vornamen. Wollen sie etwa mit ihrem Statement von dem Inhalt meines Statements ablenken????
    Noch einmal zum besseren Verständnis. Wenn ich Beweise für eine Tat habe, sei es Hundestromhalsbänder, verprügelte Frauen, misshandelte Kinder, Einbruch, Diebstahl, Unfallflucht usw. , bringe ich das zur Anzeige und trete meine Aussagen nicht über irgendein Medium breit. Das ändert an den Tatsachen nämlich nicht wirklich etwas.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Wir wollen von gar nichts „ablenken“, wieso sollten wir?? Wir weisen lediglich darauf hin, dass viele Menschen triftige Gründe haben, nicht mit ihrem Namen an die Öffentlichkeit zu gehen. Wenn Sie die Kritik dieser Leserin als „Breittreten“ empfinden, lesen Sie einfach drüber weg. Im Übrigen hat sie ihre Hinweise selbstverständlich – mehrfach – an die entsprechenden Stellen weiter gegeben. VG und schönen Samstag.

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  • Regina

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    Natürlich werde ich noch einen schönen Samstag haben. Danke auch so. Nur in ihrem Artikel schreiben sie nichts darüber, dass die Leserin ihre Hinweise zur Anzeige gebracht hat. Dann hätte ich meine Zeit sparen können und es wäre nicht zu unserem „Austausch“ gekommen.

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  • hille heinlein

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    seit 42 j. grosse, nicht einfache ( bis auf einen rotti vom züchter, alles *gebrauchte* ) hunde !
    versaut von sogenannten *hundehaltern* !
    strom lehne ich grundsätzlich ab !
    man sollte diese *halsbänder* zuerst an den haltern ausprobieren !
    es geht um erziehung ( nicht immer einfach, das weiss ich auch !) und nicht darum, einen hund zu brechen !
    jeder hund hat sein wesen, man muss damit umgehen können !
    und andere , falls nicht kompertibel, schützen….ob hund oder mensch.
    bei mir reicht in der regel meine * hundeplatzstimme *.
    übrigens hat mein hundetrainer aus howi ( 1999 bis 2003 ) , der peter , NIEMALS diese art der *erziehung* benutzt.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Danke, hille heinlein!

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      • hille heinlein

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        gerne 👍
        lg hille mit chuck, dem rottweiler
        auch so ein kandidat…. aber vieles ist machbar 👍 ohne strom 😉

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        • Redaktion Rundblick-Unna.de

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          Dann schöne Grüße an deinen Kandidaten Chuck! :-))

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