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Einziges Konzert in NRW: Maggie Reilly bezauberte in Menden

Menden. Ohne Maggie Reillys seidenweiche Stimme wäre mancher Mike Oldfield-Hit kaum denkbar gewesen – hingegen ist Maggie Reilly durchaus ohne Moonlight Shadow vorstellbar. Trotzdem prangte auf den Ankündigungsplakaten für ihr Konzert in Menden, dem einzigen NRW-weit, der wohl unvermeidliche Hinweis: „Sängerin der Mike Oldfield-Band“. So werden Legenden wach gehalten und Erwartungen genährt.

Die Walburgiskirche: eineinhalb Mal ausverkauft dank zusätzlicher Stühle neben dem Altarraum und in Verlängerung der Kirchenbänke; das Publikum ein Treffen der Generationen, mit jungen Erwachsenen und grauhaarigen Senioren, Jugendlichen wie auch Familien mit Kindern an der Hand. Alle blickten gespannt zum Altarraum, wo auf den Glockenschlag pünktlich um 18 Uhr mit einem Lächeln „the voice of scotland“ vor ihr Publikum trat: Maggie Reilly, inzwischen 57, eine kernige kleine Rothaarige mit Ponyfrisur, schwarz umrandeter Brille und in schlichtem schwarzen Outfit. „Thank you so much“, bedankt sie sich für den stürmischen Begrüßungsapplaus, lobt die Location („it´s fantastic“) und beginnt mit einem Song aus ihrem neuen Album „Heaven Sent“. Bei den ersten Takten fährt ein Schreck durch die Glieder – schepperndes Schlagzeug und viel zu laute E-Gitarre erinnern an eine (schlechte) Schülerband, und die Kirche selbst produziert trotz (Über-)Füllung auch noch ordentlichen Nachhall. Zum Glück bekommen die Tontechniker die Soundprobleme schnell in den Griff, so dass sich weitgehend ungetrübt Maggies wunderbare Stimme genießen lässt.

Auch 33 Jahre nach „Moonlight Shadow“ singt sie noch so schmeichelnd und glockenklar, spart sich allerdings die Höhen aus oder deutet sie nur an. Etwas härter ist ihre Stimme geworden, doch eigentlich tun Vergleiche „mit früher“ dieser Sängerin sehr Unrecht: Als wüsste sie das, beschränkt sie sich (dankenswerterweise – mancher im Publikum hat das anders gesehen) auf ganz wenige Songs ihrer Mike-Oldfield-Ära: „To France“ und natürlich „Moonlight Shadow“, der letzte Song vor der Zugabe.

Je öfter der junge Gitarrist seine türkise E-Gitarre zur Seite stellt und zur Akustikgitarre greift, umso schöner ist das Ergebnis anzuhören. Maggie Reilly weiß selbst: „Such a fantastic, beautiful building, it´s the place for quiet silent songs“. Ihre sanften Balladen (ein jüngeres Album von ihr besteht nur aus Folksongs) wirken in der Kirche einfach am schönsten, sie legt innigen Ausdruck in jede Zeile. „Stones from nowhere“ ist so ein Gänsehautmacher, oder vom neuen Album „If“: träumerisch und von perlendem Keyboard begleitet. Bei „Irelands Eye“ überlässt Maggie weitgehend ihrem Gitarristen die Bühne, ein weiterer sympathischer Zug dieses Weltstars, dem jegliche Starallüren abgehen. Sie singt auch komplett ohne Begleitung – ergreifend schallt ihre Klage durch die Kirche, inbrünstig, mit Seelenschmerz: „Lonely, I am so lonely… and I think it maybe will rain today…“ Sekundenlang Totenstille, dann tosender Applaus. „Do you really want to leave me this way“ – eine satte, dänische Rockballade, „Everytime We Touch“ – damit stürmte Maggie die Hitlisten, und die Dance Version der Band Cascada belegte wochenlang Platz 1 der US-Charts. Bei ihrem aktuellen Hit „Cold the Snow Clad Mountains“ wechselt die Illumination des Altarraums von Pink zum dunklen Grün der schottischen Highlands, und vor dem „title song of the new album“ breitet sie lachend ihre Arme zur Kirchenkuppel aus: Heaven Sent! Gefühlte 500 klatschen inzwischen rhythmisch mit, doch die Schottin wahrt freundliche Distanz zu ihrem Publikum und dirigiert lieber zum Altar hin ein imaginäres Orchester. „See you in heaven – some day“: Die letzten Worte von „Moonlight Shadow“ passen perfekt in eine Kirche, und Zugaben liefert diese wunderbare Sängerin mit ihrer tollen Band natürlich auch: Das wirbelnde Schlagzeugsolo schallt kurz vor 19.30 Uhr virtuos bis auf die Straße hinaus.

 

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