Rundblick-Unna » Durch Baumsturz schwer verletzter Rollerfahrer ist Uwe Müller, Fahrer der Tafel: „Er kämpft sich zurück ins Leben“ – Keine Nachfrage zu seinem Zustand von der Stadt

Durch Baumsturz schwer verletzter Rollerfahrer ist Uwe Müller, Fahrer der Tafel: „Er kämpft sich zurück ins Leben“ – Keine Nachfrage zu seinem Zustand von der Stadt

Das Baumsturzopfer vom 31. März auf der Friedrich-Ebert-Straße hat einen Namen und ein Gesicht. Uwe Müller, 51 Jahre, allein erziehender Vater aus Königsborn – und langjähriger Fahrer für die Tafel Unna.

An jenem fatalen Mittag, an dem Sturm „Niklas“ mit orkanartigen Böen über Unna tobte, fuhr  Uwe Müller auf seinem Roller von der Remise der Tafel nach Hause – als vor dem Café Koch plötzlich die über 100 Jahre alte riesige Kastanie umstürzte und Roller samt Fahrer unter sich begrub.

Dass Uwe Müller diesen furchtbaren Unfall überlebt hat, grenzt an ein Wunder, beschrieb Tafel-Chefin Ulrike Trümper heute im Gespräch mit Rundblick den Zustand des beliebten und engagierten Kollegen. „Acht Wochen lag er im künstlichen Koma. Er hatte schwerste Schädeltraumata erlitten. Ein Ohr wurde ihm durch den herabstürzenden Baum abgerissen – es ist wieder angenäht worden. Ein Arm war gebrochen. Er kämpft sich jetzt zurück ins Leben. Wir sind alle so dankbar, dass er lebt und dass es ihm jeden Tag ein kleines bisschen besser geht.“

Ihr nüchterner Zusatz – der gleichwohl nachhallt, gerade auf dem Hintergrund der gestrigen Umweltausschusssitzung zur Ursache des Baumsturzes: „Von der Stadt kam bisher kein Genesungswunsch. Kein einziges Wort.“

Die Stadt ist verantwortlich für die Bäume, die auf städtischen Flächen stehen, und damit auch für die tonnenschwere Kastanie, die auf Udo Müller herbstürzte.

Rollerfahrer Baumsturz Tafel

Uwe Müller (re.) in einem Bericht des Stadtspiegels zusammen mit seinem Kollegen Heinz Wiemers. Dies ist das einzige aktuelle Bild, das Tafel-Chefin Ulrike Trümper heute auf die Schnelle von dem engagierten Kollegen fand. Ihr Wunsch war jedoch: „Dieses Unglück soll ein Gesicht bekommen.“

 

EIN VERÄRGERTER RUNDBLICK-KOMMENTAR GAB DEN AUSSCHLAG

Dass der Sturm-Unfall nun über zwei Monate nach dem Unglück noch personalisiert wird – dass man jetzt erst erfährt, wer der schwer verletzte Rollerfahrer ist und dass es ihm – wenn auch ganz langsam – besser geht: Dies alles entwickelte sich nach der Umweltausschusssitzung gestern Abend und unserer Berichterstattung darüber.

Denn das einziges Thema der Sitzung war ja: Wieso kippte dieser Baum – als einziger von 120 ebenso alten Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße – mitsamt Wurzelballen um? Baumgutachter Burkhard Wöstefeld hielt dazu (initiiert von der Stadt) eigens noch eine gesonderte Pressekonferenz ab, was sehr ungewöhnlich ist. Medienvertreter extra noch einmal hinter verschlossener Tür zu informieren, wenn Sachverhalte vorher schon in öffentlicher Sitzung behandelt wurden, ist – gelinde gesagt – eher unüblich. Die Konferenz fand denn auch buchstäblich hinter verschlossener Tür statt: Ratsvertreter Tetzner (Piraten) wurde von Bürgermeisterreferent Oliver Böer kurzerhand hinausgeworfen. Wie berichtet, beschwerte er sich über diese rüde Behandlung schriftlich beim Bürgermeister.

Doch sowohl hinter verschlossenen Pressekonferenztüren wie auch im öffentlichen Umweltausschuss: kein Wort über den Zustand des Baumsturzopfers. Man erfuhr, „der Rollerfahrer“ habe keinen Anspruch auf Entschädigung durch die Stadt. Dieser ist eine Nachlässigkeit bei der Baumkontrolle im Fall der gefallenen Kastanie nicht nachzuweisen; gemäß der Untersuchung, dessen Ergebnisse Burkhard Wöstefeld vorstellte.

Gleichwohl bleiben zweifelnde Fragen – ob die Straßenbauarbeiten vor zwei Jahren die Wurzeln der Kastanie beschädigt haben könnten (was Anwohner vermuten und gestern Torsten Haase von den Freien Wählern wieder aufs Tapet brachte). Oder ob ein zu starkes Einstutzen der Krone den Baum geschwächt hat – was gestern in der Sitzung unvermittelt Zuhörer Bobby Roder mutmaßte, der Baumpfleger ist und selbst Bäume begutachtet.

Kein Wort bei alldem über das Opfer – dies erzürnte gestern spät abends noch Rundblick-Leser Markus Zalaszentlaszlo, der unter unserem Bericht folgenden Kommentar verfasste: „Wer fragt eigentlich mal, wie es dem Opfer geht? Anscheinend ist der Baum wichtiger als der Geschädigte!!!!! BRAVO…“ Die Redaktion erklärte daraufhin, dass wir leider nichts über die Identität und den Zustand des Opfers wissen – dass gleichwohl Anteil genommen werde, anonym. Daraufhin wiederum schrieb Tafel-Chefin Ulrike Trümper einen kurzen, aber umso deutlicheren Kommentar:Das Unfallopfer war ein Mitarbeiter der Unnaer Tafel. Das war bei der Stadt bekannt. Eine Nachfrage zum Gesundheitszustand gab es nicht.“

„ER KÄMPFT SICH JETZT ZURÜCK INS LEBEN“

Noch am heutigen Morgen rief Trümper bei Rundblick Unna an holte das Baumsturzopfer endgültig aus seiner Anonymität. Zugleich äußerte sie ihr Unverständnis darüber, dass die Stadt in der gestrigen Sitzung und der Pressekonferenz nicht berichtet habe, dass der durch den Baumsturz schwer Verletzte als Mitarbeiter der Tafel unterwegs war.

Dass sich die Stadt bisher mit keinem Wort nach dem Befinden des Tafel-Fahrers erkundigt hat, findet Trümper – freundlich ausgedrückt – befremdlich. Uwe Müller habe keinesfalls keinesfalls etwas dagegen, dass sein Name genannt werde. „Im Gegenteil, er freut sich riesig über Genesungswünsche und kann inzwischen auch Besuch empfangen“, unterstreicht Ulrike Trümper.

Uwe Müller liegt momentan im Bergmannsheil Bochum zur Vor-Reha. Im Anschluss folgt die Reha. Bis er wieder auf den Beinen ist – buchstäblich -, wird noch eine lange Zeit vergehen, weiß Ulrike Trümper. „Er kämpft sich jetzt zurück ins Leben.“

Tafel Unna Tafelrunde (5)

Ulrike Trümper (Mi.), Chefin der Tafel Unna, vorige Woche bei der „Tafelrunde“ über die Zukunft der Bedürfigenhilfe in Königsborn.

Kommentare (12)

  • Sarah Göldner via Facebook

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    Vielen Dank an die Schutzengel, die in diesem Moment aufgepasst haben, dass Herr Müller das überlebt hat.

    Herrn Müller weiterhin gute Genesung !!! Und dass die Verletzungen folgenlos ausheilen.

    Es wäre schön, wenn Bekannte/Verwandte Herrn Müller herzliche Grüße ausrichten und alles Gute in unser aller Namen ausrichten könnten.

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  • Sabrina Müller via Facebook

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    Uwe Müller , du bist ein Kämpfer und du wirst es schaffen …

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  • Karsten Pfützner via Facebook

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    Die beiden Ersthelfer, die Herrn Müller aus der Baumkrone geholt haben, hatten einige schlaflose Nächte. Es wird sie freuen, wenn sie morgen von der fortschreitenden Genesung erfahren und ihnen bei der Verarbeitung helfen…

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  • Ulrike Böinghoff via Facebook

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    Mensch Uwe. Ich wusste nicht, dass du das warst. Gute Besserung

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  • Re Gina via Facebook

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    wünsche Uwe Müller gute Besserung

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  • Claudia Ad via Facebook

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    Ich wünsche Uwe Müller weiterhin gute Genesung,und das er so wird wie er mal war.
    Den Ersthelfern wünsche ich das sie nach dieser tollen Nachricht alles besser verarbeiten können.Das nenne ich Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe :)
    Die Stadt sollte sich an vielen Bürgern ein Beispiel nehmen,denn diese zeigen sich sehr interessiert an den Gesundheitszustand von Uwe Müller,was man von ihnen leider nicht behaupten kann :( Alle Gute Uwe Müller :)

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