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Discos im Kühlschiff dümpeln – diese nicht: Ü50-Party rockt

IMG_4735Die Discoangebote im Kühlschiff dümpeln – nicht alle: Einmal im Monat, an jedem zweiten Samstag, rockt das Kühlschiff. Und nicht erst um Mitternacht, sondern bereits früh ab 20 Uhr.
Als eine der ersten Kulturzentren entdeckte die Lindenbrauerei vor einigen Jahren den Trend „Discos für Ältere“ und nahm, zusätzlich zu den schon etablierten Ü30- und später Ü40-Discos, die „Ü50″-Disco ins Monatsprogramm auf. „Rollatorenschieben“ oder „Seniorentanz“ witzelten Spötter, doch gerade diese Party erwies sich vom Start an als Renner und läuft, nein rennt weiterhin. Im Gegensatz zu vielen anderen Discoangeboten, die die Brauerei inzwischen teilweise schn aus dem Angebot herausgenommen hat; weil einfach niemand mehr (oder viel zu wenige noch) hingehen wollten.
Lindenbrauerei-Chefin Regina Ranft sprach im Interview mit Rundblick Unna von einem regelrechten „Strukturwandel“ beim Discobetrieb. Ähnlich wie die Tante-Emma-Läden von Ausnahmen abgesehen von der Bildfläche verschwunden sind, zögen auch Discobesuche bei heutigen Jugendlichen keinen Hering mehr vom Röster. „Selbst große Disco-Tempel machen zu“, wies Ranft auf die Entwicklung im gesamten Ruhrgebiet hin. „Jugendliche haben länger Schule, Kontakte finden über soziale Netzwerke wie Facebook statt. Die machen das heute anders mit dem Flirten.“
Die Generation hingegen, die mit wochenendlichem Abtanzen und Rumzappeln bis in die frühen Morgenstunden (ja, und auch Flirten gehörte dazu) noch groß geworden ist, ergreift gerade jetzt in älteren Jahren begeistert die Gelegenheit, die heißgeliebten Disconächte von einst wieder aufleben lassen zu können.. Dass gerade die Ü50-Party derart einschlug (und auch an diesem Samstag wieder Publikum bis aus dem Münsterland nach Unna zog), liegt unter anderem am DJ – DJ-Legende Ruud van Laar, der als inzwischen Ü70!er den Musikgeschmack der Ü50-Party-Besucher ziemlich genau auf den Punkt trifft.
Allerdings muss man auch bei dem eingefleischten Rock-Liebhaber darauf gefasst sein, dass man – wie am Samstag – gerade noch zu Ike & Tina Turner wild abhottend die Mähne schüttelt und plötzlich ohne Übergang von säuselnder Salsa aus der Begeisterung gerissen wird. Wer mit diesen abrupt wechselnden Musikstilen leben kann (es ist – bis auf Schlager – alles dabei, von Deutschrock über Funk und Rap bis eben Salsa), kommt beim monatlichen „Anti-Rollatorenschieben“ jeden zweiten Samstag im Monat bestens auf seine Kosten.
Diese Party wird es, ebenso wie andere mit gutem Zuspruch, auch weiterhin geben, versichert Regina Ranft mit Blick auf die Finanzprobleme der Lindenbrauerei. Auf Eis gelegt bleibt bis auf Weiteres der Frauenschwoof, da auch ein Reaktivierungsversuch mit den früheren Macherinnen fehlschlug. Regina Ranft zeigt sich darüber überrascht und enttäuscht: „Wir hatten mit mehr begeisterten Frauen gerechnet. Das war ein Schlag ins Kontor.“ Endgültig verabschiedet hat sich die Brauerei von Jugenddiscos, es bleiben eine Handvoll gut angenommener Angebote, deren wirtschaftliche Zugkraft allein aber längst nicht ausreicht. Dauerhaft mehr Geld von der Stadt sieht die Lindenbrauerei-Chefin daher als einzigen Weg aus einer sonsten Dauerkrise. „Wir müssen aber die wirtschaftliche Struktur deutlich korrigieren“, erklärte sie in unserem Interview. „Das Kulturzentrum war wie ein Fahrstuhl – er hängt an einem dicken Draht: Das sind die Discos. Je dünner der Draht, desto absturzgefährdeter die Kabine. Wenn in der Disco einer niest, kriegt das Kulturzentrum direkt eine Lungenentzündung. Wir müssen weg von der Disco-Abhängigkeit. Und das funktioniert nur mit höherer Subventionierung: mehr Geld.“ (sia)
Die nächste Ü50-Disco steigt am 13. September.

Kommentare (2)

  • Jutta Ullmann-Jäger

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    Hallo, Frau Ranft,
    nie wiieder werde ich zu einer Disco „Ü50″ gehen und etliche Frauen auch nicht, die mit mir schon mehrmals dort waren.
    Bei „Ü50″ ´dachten alle von uns, dass dort auch Musik für unser Alter gespielt wird – doch nichts – nur aktuelle Charts hat Ihr Disjockey gebracht ….Das wollen wir nicht hören sondern Lieder eben für uns „ältere“, WDR 4 oder evtl. noch Antenne Unna.
    Wir sind ganz viele Frauen, die nicht mehr zur Ü 50 Disco gehen werden, wenn sich das Musikangebot nicht ändert.
    Übrigens – Donnerstags sind wir auch immer in der LiBr.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jutta Jäger, Auf der Höhe 12, 59427 Unna, Tel. 02303/81628i

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  • marie

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    …also das sehe ich völlig anders, als der 1. kommentar
    …ich bin 62 und will auf keinen fall musik aus wd4 4 etc hören, sondern harte rock musik, wie sie am 2. sa i.m. in der lindenbrauerei gespielt wird und nur daher komme ich immer wieder dort hin…

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