Rundblick-Unna » „Die kamen rein und sagten, wir müssen alle raus“ – „Dass da Keller waren, wusste ganz Unna“: Ortstermin an der Prünte-Brache

„Die kamen rein und sagten, wir müssen alle raus“ – „Dass da Keller waren, wusste ganz Unna“: Ortstermin an der Prünte-Brache

Ortstermin  vor der Prünte-Baubrache. Peter Sombold, Inhaber des Tierbedarfhandels Ovator im Erdgeschoss des evakutierten Nachbarhauses, steht an diesem schwülwarmen Freitagabend mit seinem Fahrrad vor den rotweißen Absperrbaken auf der Bahnhofstraße  und hofft. Eben  hat er – bzw. seine Frau – einen Anruf aus dem Bauamt bekommen: Vorsichtige Entwarnung. „Wenn wir Glück haben, können wir morgen Mittag wieder öffnen“, sagt Sombold und meint mit „morgen“ diesen Samstag. Toi, toi, toi.

Er hätte dann „nur“ zwei Tage Verdienstausfall und müsste mit diesem Ausfall halt leben, sagt er. Der 69Jährige wirkt erstaunlich tiefenentspannt. Ja, sagt er (und schmunzelt sogar dabei), „was nützt es, wenn ich mich aufrege. Es ist so, wie es ist. Aber klar – es ist heftig, was hier passiert ist.“

Prünte Baustelle Bahnhofstr (6)

Seit Jahrzehnten betreibt Peter Sombold hier am unteren Teil der Bahnhofstraße neben dem früheren Café Prünte sein Tierbedarfsgeschäft. Sowas wie am letzten Mittwoch aber sei schon einmalig gewesen, sagt er. „Die kamen rein und sagten: Alle müssen raus. Plötzlich klebten da Siegel vor den Türen.“

Peter Sombold schüttelt den Kopf, lächelt wieder, diesmal ungläubig: „Meine Vermieterin, also die Besitzerin dieses Hauses, hat von der ganzen Geschichte erst durch mich erfahren. Ich rief sie an und erzählte ihr, was los ist. Sie wohnt in Ratingen. Sie hatte keine Ahnung, dass möglicherweise ihr Haus einstürzt.“ Wieder schüttelt Sombold den Kopf. „Hätte sich nicht jemand von der Stadt kurz mit der Besitzerin in Verbindung setzen können, um ihr zu berichten, dass ihr Haus geräumt wird?“

Prünte Baustelle Bahnhofstr (8)

Peter Sombold kennt diesen unteren Teil der Bahnhofstraße wie seine sprichwörtliche Westentasche, „locker 50 Jahre bin ich hier. Ich habe auch mal in dem Prünte-Haus gewohnt. Von ´72 bis ´79. Dass da Keller waren, wusste ganz Unna.“

Diese Kellergewölbe wurden am Mittwochabend bei Bohrungen als riesige Hohlräume offenkundig, die sich auf 1400 Kubikmetern in 6 bis 12 Metern Tiefe unter dem Baugrundstück herziehen. Die Standsicherheit des Wohn- und Geschäftskomplexes neben dem abgerissenen Prünte-Haus konnte bis Freitagabend offiziell noch nicht wieder gewährleistet werden. Ein frischer Riss zieht sich oben durch die Fassade. „Der ist neu“, bestätigt Peter Sombold, den Kopf hochreckend. Dass das Gelände „irgendwie in Bewegung“ ist, bestätigte auch Planungsdezernent Ralf Kampmann am Donnerstagabend in der Ratssitzung.

Prünte Baustelle Bahnhofstr (2)

Prünte Baustelle Bahnhofstr (1)

Direkt nach der Räumung des Nachbarhauses wurde die weitläufige Brache zwischen Bahnhof- und Klosterstraße mitsamt dem Nachbarhaus noch einen Meter weiter in die Fußgängerzone hinein abgesperrt, sicherheitshalber. Den Sichtschutz rund um den Bauzaun haben Neugierige bereits durchlöchert. Viele lugen neugierig durch die Lücken auf die Trümmerfläche, Väter heben ihr Kinder hoch und lassen spähen. Katatstrophentourismus.

Peter Sombold erzählt, dass sich ein „sehr netter Herr vom Bauamt“ um das zeitweilige Betreten des gesperrten Hauses gekümmert habe. „Wir müssen ja die Tiere versorgen. Wir haben Fische, Vögel, Hamster im Geschäft. Und dann sind da auf einmal Siegel vor der Tür…“ Nein, sagte er, sowas wünscht man keinem. „Wir durften ja zum Glück in Absprache mit der Bauleitung immer mal zwischendurch rein, auch die anderen Bewohner“, bestätigt Sombold, dass dieser Teil des Krisenmanagements funktioniert hat. „Das hat alles gut geklappt, und dieser jüngere Herr vom Bauamt war wirklich sehr nett.“

Prünte Baustelle Bahnhofstr (3)

Ansonsten hatte er keinen Kontakt zur Stadtverwaltung. „Für uns ist wichtig, dass wir möglichst umgehend wieder eröffnen. Jeder Tag Verdienstausfall tut uns weh. Alles andere ergibt sich mit der Zeit. So oder so.“ Das mit den Kellern aber unterhalb der Bahnhofstraße, wiederholt Peter Sombold aber nochmals, „das wusste ganz Unna.“ Und ein anderer früherer Bewohner des Prünte-Hauses wird später bei Valerio Panareo am Rathausplatz bei einem Kaffee nüchtern bemerken: „Diese Gewölbe ziehen sich unterirdisch bis zum Hellwegmuseum und zur Lindenbrauerei. Bin mal gespannt, wie die diese Hohlräume mit Beton auffüllen wollen.“

Prünte Baustelle Bahnhofstr (7)

Oben: Baugrube der Stadtwerke vor der Ladenzeile mit abgesperrten Gasleitungen. Unten: Blick aus dem Obergeschoss der Commerzbank auf das Baustellen-Areal.

22364063ze

22362802eo

Kommentare (4)

Kommentieren