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Interview: Die Ruhrstadt auf dem Weg zur "Qualitätsmarke"

Ein Interview mit Friedrich-Wilhelm Rebbe, Bürgermeister der Stadt Fröndenberg zur aktuellen und zukünftigen Situation in Fröndenberg. Das Gespräch führte Silvia Rinke.

Friedrich-Wilhelm Rebbe im Interview

Friedrich-Wilhelm Rebbe im Interview

Herr Rebbe, was verbinden Sie mit dem Begriff „Bahntunnel“?
Friedrich-Wilhelm Rebbe: Angstraum. Dunkelheit… Pissrinne. Ganz schlechte Gefühle. Fehlendes Tageslicht… all diese negativen Dinge. Man kann ihn natürlich auch schön getalten, wie in Unna die Unterführung am Königsborner Tor…

Die Untertunnelung der Gleise am Rathaus schwebt seit Jahrzehnten wie ein Damoklesschwert über Fröndenberg. Ihre Parteifreunde machen mit Unterschriftensammlungen dagegen mobil, was halten Sie davon?
Friedrich-W. Rebbe: Eine legitime politische Bewegung. Meine Aufgabe ist es aber, Schaden von Fröndenberg abzuwenden. Und dieser droht, weil wir Fördermittel und Planungskosten evtl. zurückzahlen müssen, wenn wir den Tunnel nicht bauen: Denn mit der Bahn besteht eine vertragliche Vereinbarung für den Tunnel. Ich arbeite an einer politischen Lösung, bei der die Vertragspartner auf gegenseitige Erstattungen verzichten.

Die CDU wirft Ihnen vor, Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen. Die Landtagsabgeordnete Ina Scharrenbach habe schon vor über einem Jahr von einem Verantwortlichen der DB Regio die wörtliche Antwort erhalten: „Es muss nicht immer das gebaut werden, was geplant ist.“
Friedrich-W. Rebbe: Gut, ich kenne eine andere Antwort – die des Handlungsbevollmächtigten der Bahn-AG, Laatsch: Er hat unserem SPD-Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek geantwortet: „Von einem Nicht-Bauen der L673n wissen wir offiziell nichts.“ Das heißt, dass die Bahn zuerst das offizielle Planungsende für die Umgehungsstraße abwartet. Die Kreuzungsvereinbarung besteht weiter.

Werden Sie denn auf die Bahn zugehen, wenn das Aus für die L673n im, sagen wir mal, Spätsommer schriftlich vorliegt?
Friedrich-W. Rebbe: Das werden wir schon vorher tun, unter Moderation des NRW-Verkehrsministeriums. Ich erwarte zurzeit eine Terminabsprache mit dem Ministerium. Sicherlich noch vor der Kommunalwahl – wobei ich ja hoffe, dass ich meine Arbeit nach der Wahl fortsetzen kann.

Die CDU wirft Ihnen auch bei der Innenstadtgestaltung Tatenlosigkeit vor. Für den Fall, dass die L673n nicht gebaut wird – was jetzt eingetreten ist – müsse ein Bürgermeister einen Plan B in der Schublade haben.
Friedrich-W. Rebbe: Stadtentwicklung ist ein demokratischer Prozess, für den man nicht einen Plan in der Schublade hat, ihn herauszieht und sagt: So, Rat, beschließ mal. Wir müssen Mehrheiten suchen, um gemeinsam etwas zu entwickeln. Hier – (er zeigt eine dicke Kladde), eine Diplomarbeit „Der öffentliche Raum als Impuls für die Stadtentwicklung“ am Beispiel Fröndenberg. Ebenfalls hat sich kürzlich das Architektur Forum Unna unsere Innenstadt angesehen und will seine Ergebnisse noch verschriftlichen. Wer also Konzepte fordert…

Wie sehen Sie Fröndenberg in zehn Jahren?
Friedrich-W. Rebbe: Mit verbesserter Qualität für alle, die sich einfach in der Stadt aufhalten wollen. Die Durchfahrt über den Markt sollte zumindest bei größeren Veranstaltungen geschlossen werden. Ich finde es total spannend, dass wir so eine Achse haben: Himmelmannpark, Innenstadt – und mittendurch der Ruhrtalradweg. Die Achse müssen wir lebendiger gestalten. Beim Frühlingsmarkt und verkaufsoffenem Sonntag z.B. Fußspuren auf den Boden kleben, den Park mit der Innenstadt stärker verzahnen. Kleine Gastronomieangebote im Park, Events…

Wohin geht die städtebauliche Entwicklung?
Friedrich-W. Rebbe: Wir müssen aufpassen, dass wir innerstädtisch nicht vergreisen. Wir brauchen alternative Wohnformen, nicht nur betreutes Wohnen.

Brauchen wir auch mehr Parkplätze – wie von SPD und CDU gefordert?
Friedrich-W. Rebbe: Da bin ich gar nicht so sicher. Der Karl-Wildschütz-Platz ist hoch frequentiert; wenn er wegen anderer Nutzung nicht mehr zur Verfügung steht – worauf wir als Stadt nur bedingt Einfluss haben – , könnte man vielleicht die riesige Freifläche hinter der Post für Parkzwecke öffnen. Günstiges Parken ist eines unserer Markenzeichen.

Die Leerstände an der Allee leider inzwischen auch: Der Werbering-Vize Helge Rosenstengel kritisiert sie als „sanierungsbedürftigen Wohnungsbau“. Wie sehen Sie das?
Friedrich-W. Rebbe: Das ist wirlich ein Problem. Ich bin mit Helge Rosenstengel einer Meinung. Viele Immobilienbesitzer sehen sich nicht dem Allgemeinwohl verpflichtet.

In Hüsten unternehmen Eigentümer gerade eine konzertierte Aktion gegen Leerstand: Sie präsentieren in freien Geschäften großflächige Plakate, die die gesamte Straße und Umfeld zeigen nebst detaillierten Beschreibungen zum Objekt und Kontaktmöglichkeiten. Die Stadt unterstützt die Aktion. Wie finden Sie das?
Friedrich-W. Rebbe: Klasse. Alles, was dazu beiträgt, dass Geschäfte angenommen werden, ist zu begrüßen. Es bestehen leider oft langfristige Verträge, bei denen der Eigentümer gar keine Veranlassung, aktiv zu werden: Er bekommt ja sein Geld weiter. Ich suche deshalb immer wieder das persönliche Gespräch.

Wie kann Fröndenberg zur „Marke“ werden, über die Stadtgrenzen hinaus?
Friedrich-W. Rebbe: Damit Fröndenberg zur Qualitätsmarke wird, müssen wir noch weiter in Vorleistung gehen. Der Ruhrtalradweg und die beiden Golfplätze fordern uns überregional heraus. Als einzige Stadt am Ruhrtalweg hatten wir einem Stand auf der Messe „Reise und Camping“ in Essen und sind überregional auch im Bereich Hönnetouristik tätig. Wir werden bald über Pro Ticket Zugang zu überörtlichen Veranstaltungen bekommen. Einen tollen Erfolg hat das Geo-Caching hingelegt: 41 Anmeldungen gleich am ersten Wochenende und begeisterte Reaktionen von Teilnehmern, die bis aus Düsseldorf angereist sind und jetzt von Fröndenberg schwärmen. Am 9. Mai eröffnen wir unsere Tourismus-Info, und als Nächstes werden wir unseren Tourismusauftritt im Internet aufbauen.

Bedeutet Werbung über Pro Ticket nicht Konkurrenz für eigene Veranstaltungen?
Friedrich-W. Rebbe: Im Gegenteil: Wenn Leute zu uns kommen und buchen, werden wir gleich auch unsere eigene Werbung los.

Abschlussfrage an den Bürgermeister: Wer – oder was – wäre aus Ihrer Sicht der ideale Botschafter für Fröndenberg?
Friedrich-W. Rebbe: Mein Mauri – das Maskottchen, das ich erfunden habe und der unter anderem Rad fährt und golft. Den gibt es ja sogar schon als Briefmarke…

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