Rundblick-Unna » Die perfekte (Flüchtlings-)Welle frei nach Orwell: Wenn politische Überkorrektheit mit zweierlei Maß misst

Die perfekte (Flüchtlings-)Welle frei nach Orwell: Wenn politische Überkorrektheit mit zweierlei Maß misst

Björn Merkord ist ein grüner Ratsherr und als Wächter politischer (Über-)Korrektheit im Ratssaal umtriebig. Klaus Göldner ist Ratsherr und Fraktionschef der Freien Bürgerliste FW/FLU und sagt öfter einfach mal so, was er gerade denkt.

Vor einer Woche im Haupt- und Finanzausschuss stellte Klaus Göldner eine Anfrage zur Massener Landesstelle. Dabei bediente er sich arglos des landläufig gebrauchten und allgemein gesellschaftlich akzeptierten Vokabulars. So floss ihm denn auch das Kompositum „Flüchtlingswelle“ von den Lippen.

Eigentlich, möchte man denken, habe sich diese Wörterverbindung im Zuge aktueller politischer Entwicklungen hinlänglich im modernen Sprachgebrauch eingenistet. Ratsherr Björn Merkord war nicht dieser Meinung. Quer über seinen Ratstisch gebeugt bürstete er den politischen Kontrahenten ob dessen sprachlichen Missgriffs kräftig gegen den Strich: Mit dem Begriff „Flüchtlingswelle“ setze Göldner Menschen in bitterster Not mit einer  Naturkatastrophe gleich.

Der Freie Wähler-Chef wusste gar nicht recht, wie ihm da geschah. Der Bürgermeister, Chef im Ratssaal, schwieg zum kurzen Wortgefecht still.

Klaus Göldner

Klaus Göldner.

Björn Merkord

Björn Merkord.

Sieben Tage später,  in der Ratssitzung am gestrigen Abend, ging es wieder um die Landesstelle und wieder um Flüchtlinge. Wieder saßen die Ratsherren Merkord und Göldner über Eck an ihren Ratstischen und blickten gemeinsam in dieselbe Richtung nach vorn, zum Tisch des Bürgermeisters. Der Bürgermeister sagte: „Das Land hat eine wahnsinnige Flüchtlingswelle abzuarbeiten.“

Oha, dachte sich Göldner.  Der Mann lief nicht rot an, nein, das nicht gerade, aber er regte sich schon ziemlich auf. Das war unübersehbar.

Göldner ließ Kolter zu Ende sagen, was er zu sagen hatte, und griff sich dann aus der Luft heraus das noch im Raum schwebende Wort, sozusagen noch in den Nachhall hinein: „Haben Sie gerade von ,Flüchtlingswelle´ gesprochen, Herr Bürgermeister?“

Der Herr Bürgermeister wirkte ähnlich verdattert wie jene, die im Hauptausschusssitzung sieben Tage vorher nicht dabei gewesen waren. Worauf wollte Göldner hinaus?  Hatte er vor, den Bürgermeister öffentlich im Ratssaal einer politischen Unkorrektheit zu überführen? Nein, den Freie Wähler-Chef trieb der Zorn des Gerechten: „Ich frage nur“, zornesblitzende Blicke auf  Merkord, „weil ich hier letzte Woche im Hauptausschuss für das Wort ,Flüchtlingswelle´ heftigst zusammengestaucht wurde. Macht es vielleicht einen Unterschied, ob ich dieses Wort verwende oder der Bürgermeister?“

Ratsherr Björn Merkord blickte tiefenentspannt und antwortete seelenruhig – vielleicht wollte er sogar witzig sein: „Wenn zwei verschiedene Personen dasselbe sagen, ist es nicht das Gleiche.“

Ein  schlichter Ausspruch, mit dem sich tiefenphilosophische Abgründe auftun. Nein:  einige – Menschen, Politiker, Ratsvertreter, Bürgermeister – sind gleicher als Gleiche. Orwell grüßt aus dem Unnaer Ratssaal.

Kommentare (5)

  • Sigrid Degner-Schulte via Facebook

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    Wie die deutsche Regierung äußerte, sollten auch nur syrische christliche Kriegsflüchtlinge nach Deutschland kommen. Und da hätte das deutsche Volk auch nichts dagegen gehabt. Aber nein, es kamen auch noch Wirtschafts-, Abschiebe- und Scheinflüchtlinge aus Nordafrika und aus dem Kosovo nach Deutschland und das geht entschieden zuweit. Und diese Flüchtlingswelle sollte man sofort wieder in ihre Heimat zurück schicken oder kommen demnächst auch noch Klimaflüchtlinge.

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  • Hans Bergmann

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    Der grüne Nachwuchs spielt sich als Moralapostel und Zensurrichter auf.
    Wenn man sachlich politisch nichts zu bieten hat, zieht man Diskussionen auf die emotionale „moralische“ Ebene.
    Bin gespannt, ob er seinen Belehrungen selbst auch folgt, dann darf er in der Diskussion um die Landesstelle einige seiner Tabuworte nicht nutzen…. Zaun…Flüchtlinge…Wirtschaftsflüchtlinge…Abschiebung…Andersgläubige….Welle….

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  • Ralf

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    Wundert es jemanden? So sind sie halt die Grünen. Verbieten, besser wissen, belehren, Wasser predigen!!

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  • Realistischer Bürger

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    Die Verbotspartei macht ihrem Spitznamen alle Ehre.

    Fleischessen – verboten
    Bürgerentscheidung Bäume zu fällen – verboten
    Technischer Fortschritt – verboten und nun noch
    Klartext reden – verboten…

    Diese Partei und ihre Exoten passen einfach nicht in diese Welt.

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  • Christel Heinze

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    ich sag da nur eines zu: Benehmen ist Glückssache – und Glück hat der Mensch selten!

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