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Dr Stratmann: "Dat Schönste" zum Schluss

„Dat Schönste“ zum Schluss: Mit einer deutschlandweiten Abschiedstournee beendet der beliebte Ruhrgebietskabarettist und langjährig praktizierende Arzt Doktor Stratmann seine fast 20-jährige Bühnenkarriere, die ihn regelmäßig auch nach Unna führte, wo er in der Erich-Göpfert-Stadthalle fachgerecht sein Publikum verarztete. Am Donnerstag, 20. Februar 2014, heißt es für Unna ein letztes Mal „lachen, bis der Arzt kommt“ – danach praktiziert er nur noch ambulant in eigener Praxis, dem Stratmannstheater am Kennedyplatz in Essen.

„Dat Schönste“ von allem… Die Bühne als Wartezimmer mit drei Plastikstühlen, auf dem mittleren sitzt Jupp, grantelt, murrt und schimpft vor sich hin. „Ach du Sch… , ist das voll hier. Wie lange wartste schon? Ne Stunde? – Na, wenn de was hast. Stell dir vor, wartest ne Stunde und hass nix.“ Die Tasse auf dem Wartezimmertischchen trägt den Aufdruck „Heut komm ich mal mit meinem Bein“, eines seiner erfolgreichsten Programme, doch heute hat er weder Bein noch Prostata, sondern Ton. Ständige Mikrofonaussetzer. „Wirste bekloppt bei.“ Dreimal verschwindet er hinter der Bühne: „Jetzt können Sie mich aber hören!“ „Jupp“, juchzt das Publikum, „aber nicht mehr sehen!“ Die technische Tücke raubt zehn Minuten. „Statt ´nen Soundcheck zu machen, hab ich eben noch ´n Bier getrunken…“ Demonstrativer Beifall: Menden verzeiht seinem Doktor auch heute (wieder) alles.

Dat Schönste… was war denn eigentlich nicht schön? „Wenn ich in Ostwestfalen oder im Sauerland beim Arzt sage, ich komm heut mal mit meinem Bein, fragt der mich: Wärnse sonst ohne gekommen?“ Sowas versteht man nur zwischen Bottrop-Boy und Essen-Kupferdreh: „So ein Bein: is zwar an einem dran, gehört einem auch, gehört aber nicht zu einem zu. Kapiert?“ Ruhrpottpublikum ist zugegen aus Gelsenkirchen und Duisburg-Walsum, das kapiert. Na bitte.

Auf Eierstöcke in Bad Salzuflen

Als Hypochonder hat Jupp unter (vielem) anderen schwere Fischgastritis, „nur nicht auf Fischstäbchen und Scholle paniert, die ist so platt, da können nicht mal Innereien drin sein.“ Sein unterer Blutdruckwert ist ständig höher als der obere, deshalb braucht er „Invasion“. Seine Frau, die Inge, „war schon auf Eierstöcke in Bad Salzuflen“. Er selbst uf Silikose in der Eifel , „wo beim Abhusten im Fünfmann-Zimmer die Briketts durch die Gegend fliegen.

Wer von Stratmann verarztet wird, muss (mit ein bisschen Humor) die ganze Zeit pausenlos kichern. Einigen Besucherinnen laufen bereits nach einer Viertelstunde Lachtränen durchs Gesicht, andere klammern sich schnappatmend an ihre Männer, die sich selbst kaum noch einkriegen. Jupps Kumpel Heinz mit seinem Raucherbein, Spitzname Flamingo: „Der einzige ist in Bottrop, der vier Stunden auf einem Bein an der Theke stehen kann.“ Oder Oma mit ihrem Gebiss aus Tschechien, die er im Badewannenlift an die Decke schießt und die in Knickerboxers ihren dritten Frühling entdeckt: „Ich sach, Omma, biste wahnsinnig?? Wenn dich so einer sieht, ist die Pflegestufe weg!“

Heut kom ich mal mit mein Bein

Quer über kreuz geht´s durch die Programme, von „Hauptsache ich werde geholfen“ über „Heut komm ich mal mit mein Bein“ bis zum „Kunstfehler“. Nach der Pause lässt Stratmann eine brillante 20-minütige Verbalsalve los gegen die Jungen, zum Verzweifeln Dumpfbirnigen, die seine Rente nicht mehr finanzieren wollen – „nein, nicht mehr können! Und nein, das Licht ist nicht schneller als der Schall, weil die Augen weiter vorne sind als die Ohren!“ Zum Wegschmeißen lustig, doch der Abschied ist auch heilsam: Ludger Stratmann erkannte selbst nach einem Schlaganfall und Herzschrittmacherimplantation, dass die eigene Gesundheit über alles geht. Seine (zwangsweise jetzt damit einhergehende) Unterbeschäftigung „versuche ich konsequent mit Ritalin, Alkohol, Nikotin…“ Antirheumatika, Psychopharmaka „…und regelmäßigen physiotherapeutischen Anwendungen wie viel Sitzen, Liegen und Fernsehkucken zu bekämpfen“. Als Zugabe: die göttliche Episode mit Inges peinlichem Frauenproblem: „Pilz inne Buchs“. „Na – ´n Knollenblätterpilz wird´s wohl nicht sein.“ Tschüss denn… am 20. Februar ein letztes Mal in Unna.

Inge kämpft mit dem Doppelkinn


[info]Tickets für 28 Euro das Stück gibts im i-Punkt im ZIB (02303/103777) und den bekannten Vorverkaufsstellen.[/info]

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