Rundblick-Unna » Das unerträgliche Leichtgewicht von Licht und Ampeln, die auch mal Kunst sein dürfen: Erstmals Lichtkunstpreis von Unnas Lichtkunstzentrum vergeben

Das unerträgliche Leichtgewicht von Licht und Ampeln, die auch mal Kunst sein dürfen: Erstmals Lichtkunstpreis von Unnas Lichtkunstzentrum vergeben

Zu den drei Finalisten gehört ein Mobile aus Verkehrsampeln, das fröhlich immerzu auf Rot, Gelb und Grün springend unter der Kellerdecke leuchtet. Gewonnen hat jedoch „Das Gewicht von Licht“, „The Weight of Light“ – eine kinetische Lichtskulptur aus meterlangen LED-Bahnen, die sich wie eine Achterbahn durch den düsteren Keller schlängeln und durch die Lichtpunkte rasen.

Lichtkunst Weight of Light

Großer Bahnhof unter Unnas Erde: Das Zentrum für Internationale Lichtkunst vergab an diesem Wochenende erstmals zusammen mit seinem Hauptsponsor RWE einen internationalen Lichtkunstpreis: den „International Light Art Award“, abgekürzt ILAA. Dotiert mit 10 000 Euro und flankiert von einer begleitenden Sonderausstellung mit feierlicher Vernissage im Säulenkeller.

Das künstlerische „Ampel-Mobile“, das man wenig später drunten im Lichtkunstkeller bewundern durfte, bot zunächst mal unfreiwillige Sinnbildkraft zunächst mal für das, was sich vor Beginn der Vernissage im ZIB-Foyer abspielte. Dort sah sich eine Reihe von Besuchern nämlich nicht übermäßig höflich abgestoppt und damit sinnbildlich vor der roten Ampel stehen: „Tut uns leid, Sie sind nicht angemeldet.“

Dabei hatten sich die Betroffenen durchaus mit der erforderlichen E-Mail auf die Gästeliste dieser Vernissage setzen lassen, wie sie mit einer Mischung aus Irritation und Ärger versicherten. Doch scheinbar waren die Mails nicht angekommen, vom Orkus verschluckt, jedenfalls nicht aufzufinden.

Zu den angemeldeten Nichtangemeldeten zählte auch Unnas Kulturausschussvorsitzende Ingrid Kroll – insoweit problemlos, als sie sowieso an diesem Sonntagmittag bei zwei anderen Veranstaltungen gebunden war. Sogar Landrat Michael Makiolla war nicht angemeldet – er durfte als Chef der Kreisverwaltung natürlich trotzdem in den Keller, der Kreis finanziert Unnas Lichtkunst schließlich mit einem sechsstelligen Jahresbetrag mit.

Weniger prominente Gäste mussten erst mal draußen bleiben –  bis klar war: Es ist genügend Platz dort unten. Eher suboptimal organisiert war das Ganze also, wo doch Stadt und Lichtkunstverein erst bei  der Jahresbilanz für 2014 versicherten: Wir möchten gerade noch mehr Bürgern aus Unna selbst die lichten Gefilde der Lichtkunst zeigen. Nun, da besteht noch Luft nach oben.

Unten ist neben den Dauerinstallationen seit Sonntag frisch Preisgekröntes zu besichtigen. Dessen künstlerischer Wert erschließt sich, wie so oft bei (hoher) Kunst, erst dem Auge und Geist des jeweiligen Betrachters.

Lichtkunst Weight of Light

Andreas Muxel und Martin Hesselheimer, das frisch zum Sieger ernannte Künstlerduo aus Köln, haben die Installation „The Weight of Light“ (oben) kreiert, bei dem Lichtpunkte und -würmer rasend schnell durch eine meterlange gewundene Leuchtschlange flitzen, untermalt von dumpfen, monotonen Klängen. „Licht wird auf LED-Bahnen transportiert, die die Besucher in eine Welt versetzen, in der sich das Licht nicht mehr wie gewohnt verhält“, beschreiben die beiden Lichtkünstler „The Weight of Light“. Es sei der „Versuch, künstlerische Kräfte auf sich bewegende Lichtimpulse zu übertragen. Ein Spiel mit der gelernten Wahrnehmung schafft bewusst Momente der Irritation in einem fiktionalen Lichtraum.“

Lichtkunst Erleuchtung

Dirk Vollenbroichs „Enlightment“ (Erleuchtung) beschreibt einen Zustand der Meditation. „Erst die Hirnstörme der beteiligten Besucher lassen ,Erleuchtung´ sichtbar werden, und nur wer einen meditativen Zustand erreicht, findet ,Erleuchtung´“, schreibt der Kölner zu seinem Werk, das auf künstlerisch weniger Erleuchtete zunächst wie eine rote Lichtorgel in einem düsteren Partykeller wirkt. Auch hier erschließt sich das Werk erst im aktiven Zutun seines Betrachters. Stichwort: Man muss sich schon darauf einlassen.

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Beruhigend vertraut sind jedem Verkehrsteilnehmer hingegen die Bestandteile des dritten nominierten – und präsentierten – Lichtkunstwerks: „Traffic“, das der Chilene Ivan Navarro ersonnen und zusammengeschraubt hat. Denn er braucht für dieses Kunstwerk lediglich ein paar profane Verkehrsampeln. Dieses Mobile aus Lichtzeichenanlagen taucht den Kellerraum abwechselnd in die ja sattsam bekannten Farben: Grün, Gelb, Rot.

Lichtkunst

Das kann man natürlich  auch bei jeder Fahrt über Unnas Verkehrsring haben. Doch nein: Bei dem zur Lichtkunst stilisierten Ampel-Mobile muss die Signalwirkung der Farben „hier vom Betrachter neu bewertet werden“, fordert der Künstler seine Besucher auf.“

„The Future of Light Art“ – Die Zukunft von Lichtkunst –  ist bis zum 28. Juni als Ergänzung zur Dauerausstellung im Lichtkunstzentrum Unna zu sehen.


 (Bilder der Ausstellungseröffnung und der Dauerausstellung.)

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