Rundblick-Unna » Das Schweigen der Bürger oder Wie man bei einem Einwohnerantrag über eine Ampel maximale Unhöflichkeit walten lässt

Das Schweigen der Bürger oder Wie man bei einem Einwohnerantrag über eine Ampel maximale Unhöflichkeit walten lässt

Ein Bürger reicht einen Einwohnerantrag ein, unterfüttert ihn mit 117 Unterstützungsunterschriften. Im Stadtentwicklungsausschuss am Mittwochabend ist dieser Antrag Thema – es geht um eine Fußgängerampel in Königsborn.

Der engagierte Einwohner möchte gern noch selbst einige erklärende Worte beisteuern, kurz nur. Doch die Politiker, von zwei Ausnahmen abgesehen, lehnen ab. Rolf Beyersdorf (CDU), wörtlich: „Wir wollen das nicht.“ Punkt, Basta. Vor der Sitzung hat Ausschussvorsitzender Hans-Jürgen Scheideler (SPD) den Bürger schon unter vier Augen beschworen:  Ob das denn wirklich nötig sei, dass er selbst rede? Ja, man kann entschieden freundlicher und respektvoller mit seinen Bürgern umgehen. Nun gut.

Beim Tagesordnungspunkt „Schaltung der Fußgängerampel an der Friedrich-Ebert-/Luisenstraße“ herrschte im Stadtenwicklungsausschuss maximale Unhöflichkeit gegenüber Michael Griesohn-Kluth, einem nicht unbekannten Einwohner Königsborns. Der Solarexperte hat beobachtet, dass die Fußgängerampel an der Friedrich-Ebert-Straße in Höhe der Luisenstraße in Spitzenzeiten plötzlich bis zu anderthalb Minuten braucht, um auf Grün zu springen.

Vorher – also bevor auf der Friedrich-Ebert- und Kamener Straße die Vorrangampelschaltung für Busse eingerichtet wurde – sprang diese Fußgängerampel in Rekordzeit auf Grün, Sekunden nach der Anforderung. Das hat die Fußgänger dort natürlich ein bisschen verwöhnt. Doch auf einmal bis zu 90 Sekunden auf Grün warten zu müssen ist entschieden zu lange, findet Michael Griesohn-Kluth. Das findet nicht nur er, sondern dafür hat er in Königsborn eben diese 117 Unterstützungsunterschriften gesammelt.

Michael Griesohn-Kluth

Kopfschüttelnd am Mittwochabend im Ratssaal: Michael Griesohn-Kluth mit seinem Einwohnerantrag. Was er als Verfasser dazu zu sagen hatte, interessierte die Ausschussmitglieder nicht – von zwei Ausnahmen abgesehen.

 

Von denen war jedoch im Ausschuss heute mit keinem Wort die Rede. Griesohn-Kluth bekam wie gesagt kein Rederecht, und die anderen, die reden durften, redeten nicht über die 117 Bürger. Björn Merkord von den Grünen wollte hören, was Griesohn-Kluth zu sagen hatte, ebenso Ralph Bürger von der SPD. Damit hatte es sich aber auch schon.

„Wollen wir nicht“,  kam ruppig von CDU-Mann Beyersdorf, und damit sprach er für alle. Man werde die Verwaltung beauftragen, die Ampelschaltung zu überprüfen, kam man überein. Planungschef Ralf Kampmann hatte das aber sowieso vorschlagen wollen, er sagte, eventuell seien ja noch weitere Fußgängerampeln zwischen Königsborn und Kamen „zu optimieren“. Doch generell wünsche man auf dieser Strecke eben Vorrang für Busse. Den bekommt man dadurch, dass die Busfahrer per Funk Grün anfordern.

Eine bis anderthalb Minuten – maximal!, wurde betont – seien jedem Fußgänger zu warten zuzumuten. Nicht ganz unwichtige Detailbeobachtungen wie z. B. die, dass besorgniserregend viele Fußgänger (vor allem Schüler) jetzt, wo sie so lange warten müssen, kurzerhand bei Rot über die Straße rennen, konnte Michael Griesohn-Kluth nicht in die Diskussion einwerfen,  da er ja mit Mehrheitsentscheid („wir wollen das nicht“) zu schweigen hatte. So fiel denn auch kein Wort über jene 117 Königsborner, die seinen Antrag per Unterschrift unterstützen – die Liste war dem Antrag beigefügt.

Wären diese 117 an diesem Abend allesamt persönlich im Ratssaal aufgekreuzt, hätte sich das Stadtentwicklungsgremium die Entscheidung über das Rederecht vermutlich noch einmal anders überlegt.

Kommentare (25)

  • Dominik Brauckmann via Facebook

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    Tja und ihr wählt diese „Volksvertreter „.

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  • andre

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    Auf der einen Seite ist es ne Sauerei der Politiker, aber wir sind es ja schon nicht mehr anders gewohnt, auf der anderen Seite finde ich 90 Sekunden Wartezeit völlig vertretbar

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  • Christel

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    So kennt man Herrn Beyersdorf ! Ich glaube nicht, dass er für alle spricht !!!!!

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Krass, einfach sagen: Wir wollen das nicht und damit hat sich’s.

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    • Christel

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      Meinungsdiktatur a la CDU …

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      • Heinz Müller via Facebook

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        Genau, lasst uns lieber alle Die Linke wählen. Dann bekommen wir wenigstens alle Ampelmädchen…auch wenn wir das nicht wollen :)

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  • Heinz Müller via Facebook

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    #Demokratur

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  • Andre As via Facebook

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    Nur 2 Leute haben dem CDU Heini widersprochen. Der hat die anderen gar nicht gefragt, oder? Er sagt einfach WIR wollen das nicht.

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  • Gero Bangerter via Facebook

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    Die Bürger interessieren die Politiker doch nur in der Funktion „Wähler“, also erst im Jahr 2020 wieder.

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    • Elke Schmidt

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      Spricht da jemand aus eigener FDP Erfahrung ?!?

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      • Gero Bangerter via Facebook

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        Diskussion nur mit eindeutigen Facebook-Accounts. Jeder kann sich „Elke Schmidt“ nennen, oder „Ralph“ etc. Die Prüfung der IP-Adressen mancher Kommentatoren dürfte die eine oder andere Überraschung mit sich bringen.

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        • Elke Schmidt

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          Einfach mal Google zu Herrn Bangerter befragen….

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        • Elke Schmidt

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          Tut mir ja leid Herr Bangerter, dass es Ihnen nicht passt, dass ich so heiße. Und nicht jeder hat einen Facebook Account !!!

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      • Rundblick Unna via Facebook

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        Wir begrüßen ausdrücklichst! und ganz besonders jeden Kommentator, der mit seinem vollen Namen zu seiner Meinung steht, Gero Bangerter.

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      • Gero Bangerter via Facebook

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        Sehr geehrte Rundblick-Redaktion, es gibt in Unna leider auch Angehörige der städtischen D-Prominenz, die sich mit falschen Namen als Giftmischer in öffentlichen Foren betätigen. Traurig, aber wahr.

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      • Rundblick Unna via Facebook

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        Sehr geehrter Herr Bangerter, leider stehen nicht alle unsere Kommentarschreiber mit ihren vollen Namen für ihre Meinung ein. Wir bedauern das, haben uns aber aus verschiedenen Gründen für den Moment dazu entschieden, keine „Klarnamenschranke“ für unsere Kommentarfunktion einzuführen. Sofern „Giftmischereien“, wie Sie es formulieren, überhand nehmen, werden die betroffenen Schreiber geblockt, von uns kontaktiert und notfalls für weitere Aktionen gesperrt. Wir halten ein Auge darauf, sind aber natürlich auch immer für Hinweise auf zweifelhafte Kommentare dankbar.
        Anonymität ist zweifelsfrei bequem. Doch für manche ist sie eben auch die einzige Möglichkeit, ehrlich ihre Meinung zu sagen. Wir danken Ihnen für Ihre Anmerkungen und wünschen Ihnen einen schönen Abend.

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  • Jama To via Facebook

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    Ich mochte gerne alle fragen! Wie lang ist eine Bremsweg (Zeit Angabe) bei 30 Stunden Kilometer? Ob sich jemand darüber Gedanken gemacht hat? Wie viele von diese Leute haben Führerschein? 90 Sekunden können für viele Leben retten! Dagegen wie viele Leute müssen bei Kamena Kare bis zu 3 -4 Minuten und länger warten? Und keine Beschwerden! Die Leute haben keine andere Sorgen!

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    • Michael Griesohn-Kluth

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      Liebe Jama To,
      wie sie denken leider viele.
      Warum soll man sich darüber aufregen, wenn es woanders doch noch schlimmer ist?
      Es ist wie der Stein im Schuh, der ist auch nicht groß, nervt aber gewaltig.
      Unser Problem an der Ampel ist doch das völlig sinnlose Warten.
      Z.B., bei Verkehrsstau gibt es keine grüne Welle für Autos und man könnte den Fußgängern doch sofort GRÜN geben. Diese müssen aber zwischen den Abgasen lange warten. Darunter viele Schulkinder.
      Ein System, das viel Geld gekostet hat und als intelligent bezeichnet wird, sollte mehr können.
      Ob der viel beschworene ÖPNV überhaupt Vorteile dadurch hatte ist stark zu bezweifeln.
      In der Wirtschaft würde man sagen:
      Schlecht gemacht, Geld zurück, neu machen!
      Hier zahlt der Bürger und darf keinen Einfluss nehmen.

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  • Andreas Gidom via Facebook

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    Lach Nr was Die Aussage Betrifft interessiert uns Nicht Da was mann ja wo Das Einfache Volk Steht

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  • Wilhelm Dreber

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    Da lobe ich doch die Fröndenberger Kommunalpolitik! Wir haben seit Jahren nach Eröffnung der Tagesordnung in jeder Ausschuss- und Ratssitzung eine Bürgerfragestunde (begrenzt auf 30 Minuten). Hier kann jeder Bürger seine Sorgen, Meinungen und Fragen loswerden – und sie werden ernst genommen und fließen zum Teil gleich in die Beratungen mit ein. DAS IST FÜR MICH DEMOKRATIE!!!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Absolute Zustimmung, lieber Wilhelm Dreber! Das, was da gestern mit dem Bürger abgezogen wurde, war für Zuschauer wirklich kaum noch erträglich.

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  • Sascha Krieg

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    Ja dann Herzlichen Glückwunsch, Herr Wilhelm Dreber.Fröndenberg hat alles Richtig gemacht! In Unna scheren sich die Damen und Herren Politiker ja einen Dreck darum, was die Bürger betrifft,!Das Beweist dieses Verhalten ja mal wieder ganz klar!Aber wählen sollen wir diese Ignoranten Vollidioten!Ich bin zwar nicht Ausländerfeindlich, aber bevor ich der SPD, CDU oder wenn wähle, gebe ich meine Stimme lieber der AfD, dann kann meine Enthaltungsstimme wenigstens nicht zu diesen Vollpfosten gezogen werden!Leute wie Herr Bangerter sind in meinen Augen einfach nur Arme Würstchen, die auf uns angewiesen sind, gewählt zu werden!Euch sollte man ALLE abwählen,nichts anderes!!!!!!

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  • Carsten

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    Wenigstens hat die CDU damit wieder ein paar Wählerstimmen in Unna verloren es war also nicht ganz umsonst (auch wenn das natürlich nur ein schwacher Trost ist für Griesohn-Kluth)

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  • Wilhelm Dreber

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    Ich möchte meinem Kommentar noch etwas hinzufügen: Da die Bürgerfragestunde bei uns damit ein Punkt der Tagesordnung ist, werden alle Bürgerbeiträge mit Namen und deren Inhalt protokolliert und auch im späteren Sitzungsprotokoll verewigt. Mir persönlich war in meiner 25-jährigen Arbeit als Rats- und Ausschussmitglied in Fröndenberg die Meinung und die Anregungen von Mitbürgern (die ihr Wohnumfeld wie ihre Westentasche kennen) von größter Wichtigkeit für meine Arbeit. Alleswisser und Alleskönner in der Politik sind unerträglich!

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