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CDU-Chef lobt die SPD: „So viel schwarze Tinte wie nie“ mit rotem Partner – nicht mal unter CDU-Bürgermeister

Dieses Kompliment des CDU-Chefs an den politischen „Idealpartner“ SPD könnte beim so umschmeichelten Partner – der fast doppelt so viele Ratssitze hat – auch leicht zitronensauer ankommen: Man habe in der derzeitigen  „Abstimmungsgemeinschaft mit der SPD“, so erklärte Gerhard Meyer vor dem Stadtverband am Freitagabend, schon jetzt so viele CDU-Vorstellungen verwirklichen können wie in zehn Jahren nicht.

„So viel schwarze Tinte war nie – nicht einmal zu der Ära Volker Weidner“,  hub Meyer an, kurz bevor er mit 73 zu 7 Stimmen als Vorsitzender bestätigt wurde. Mit Weidner stellte die CDU in Unna zwar den Bürgermeister; „aber im Rat hatten wir Rotgrün gegen uns.“

Nun, in der „Abstimmungsgemeinschaft“ (Meyer sprach sorgfältig nicht von GroKo), sei es endlich möglich, eigene, christdemokratische Ideen durchzubringen. Ein Beispiel – das ungeliebteste Beispiel für die Grünen – ist die Baumschutzsatzung. Diese wollte die CDU in der letzten Ratsperiode zweimal kippen; vergeblich. Jetzt gelang es ihr: dank der SPD. Sowie, im Übrigen, auch mit den Stimmen der Freien Wähler, doch die erwähnte der CDU-Chef nicht.

CDU

CDU-Chef Gerhard Meyer (re.) gestern bei der Stadtverbandsversammlung, auf der er sich wiederwählen ließ und seine persönliche Meinung auch in der Bürgermeisterfrage bestätigt sah. Nein, kein CDU-Kandidat gegen Werner Kolter (SPD), der (so Meyer) „tief im bürgerlichen Lager verwurzelt ist“.

 

Der alte und neue Vorsitzende erwähnte vor der 80köpfigen Mitgliederversammlung überhaupt gar keine der anderen kleineren Ratsfraktionen. Es sind – gleichwohl – noch fünf:  Grüne, FW/FLU, Piraten, Linke und FDP. Die FDP fand einmal in einem Nebensatz Meyers Erwähnung: bei den Gründen, keinen CDU-Bürgermeister aufzustellen. Meyer sagte, die FDP habe sich als Einzige bisher noch nicht eindeutig festgelegt, ob sie Werner Kolter ebenfalls unterstütze – was alle anderen Fraktionen tun.

Ansonsten hatte Gerhard Meyer ja schon beim CDU-Neujahrsempfang keinen Hehl daraus gemacht, dass er von der Vielzahl der Fraktionen derzeit im Rat Unna überhaupt nichts hält. Er sieht die Demokratie gefährdet. Mit dieser Meinung trifft er sich ebenfalls mit dem Vorsitzenden des derzeitigen CDU-Idealpartners SPD.

Gerhard Meyer ging mit seiner Freundlichkeit gegenüber der Werner-Kolter-SPD noch weiter: Er rügte jene Mitglieder seiner eigenen Partei, welche „sich lieber in Frontalopposition üben“. Der  Erfolg gebe den „Schmusekurs“-Verfechtern überdeutlich Recht: So viel schwarze Tinte wie derzeit war nie – und das mit einem roten Partner.

Die momentane herzliche Verbundenheit der CDU mit den Sozialdemokraten findet sich im Kreistag fast identisch wieder. Auch hier verkündeten die beiden Volksparteien vor drei Wochen den Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit bis zum Ende der Wahlperiode. Allerdings verkündete diese Kreis-GroKo der größere Partner SPD, wie es aus Sicht der größten Fraktion wohl auch sein sollte. Der kleinere Partner CDU kam in der Pressemitteilung der SPD höflich zu Wort. Und die kleinen, noch verbleibenden Kreistagsfraktionen und Gruppen wurden eingeladen, die nutzbringende rot-schwarze Gemeinschaft ebenfalls eifrig zu unterstützen.

Kommentare (4)

  • Christel Heinze via Facebook

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    Toll ….. muss ich als CDU-Mitglied jetzt in die SPD eintreten???

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  • Paul

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    Eine Groko ist gefährlich für die Demokratie und NICHT die kleinen Parteien.
    Demokratie lebt von unterschiedlichen Meinungen. Wenn man aber egal um welche Themen es zukünftig geht, schon vorab Zustimmung für die Abstimmungsgemeinschaft signalisiert, ist das wenig demokratisch.
    Solche Äußerungen Meyers über andere Parteien zeigen mir eher seinen Allmachtsanspruch. Seiner Meinung nach zählt nur die CDU und die SPD darf bei ihm mitmachen.

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  • Gero Bangerter via Facebook

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    Angebliche Unterstützung einer Kandidatur Werner Kolters durch Ratsmitglieder oder Ratsfraktionen ist völlig unerheblich. Wenn überhaupt erklären die entsprechenden Parteien / Vereinigungen eine solche Unterstützung. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, daß die Vereinigung der Freien Wähler einen fremden Kandidaten unterstützen wird, egal wer es ist.

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  • Christoph Tetzner

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    Die von Herrn Meyer gemachten Aussagen zeigen vor Allem eins: Die Schwäche der SPD. Da kommt es gerade recht, dass der Bürgermeister für den Wahlkampf keine inhaltlichen Themen Aufgreifen muss, da er sich ja der Mehrheit im CDU geführten Rat sicher sein kann…… Demokratie sieht anders aus meine Herren von CDU und SPD!

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