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Café Prünte: Adé du Traditionscafé

Bei einem solchen Abschied darf man auch mal kräftig traurig sein. Zum letzten Mal ein Stück Torte im Café Prünte, echte Torte vom Konditormeister, dazu eine Tasse cremigen Cappuccino mit dem unwiderstehlich knusprig-zarten Prünte-Keks auf der Untertasse.

Wenige Stunden vor dem Abschied geben sich im Traditionscafé an der Bahnhofstraße 32 die jahrzehntelang treuen Stammkunden die Klinke in die Hand, müssen Uwe Petersmann und sein Team wie am Fließband Hände schütteln, während quer über der Schaufensterscheibe seit Montagnachmittag der schön geschwungene knallrote Schriftzug prangt: „Danke für Ihre Treue“. „Ein Dankeschön von meinen netten Nachbarn“, lächelt Uwe Petersmann und bedankt sich bei Jan Dirk und Martin Capelle – Vater und Sohn mit künstlerischem Geschick – mit einem festlich verpackten Baumkuchen, jene berühmte Prünte-Leckerei, die aus Unna  bis nach Übersee exportiert wird.

Unglauben und Betrübnis nach der Schließung von Café Prünte

Bei den Abschiedsgästen im Café herrscht immer noch Unglauben und tiefe Betrübnis darüber, dass Petersmann sein Café nach 58-jähriger Familientradition  zum Jahresende nun wirklich schließt. Schnucklig klein mit 16 Plätzen hat es angefangen, zuletzt passten 130 Gäste ins Café. Das war einfach auch viel, viel Arbeit für den Familienbetrieb. „Es sind allein persönliche Gründe“, hat der Konditormeister wieder und wieder erklärt.

Neues Einkaufszentrum statt Traditionscafé

Der Gebäudekomplex, zu dem auch das leer stehende frühere Bücherzentrum gehört, wird abgerissen, Architekt Michael Deterding plant hier für eine Investorengruppe ein neues Einkaufsgebäude. Deshalb hatte Petersmann seinen ursprünglichen Plan, bis 2019 weiterzumachen, verworfen und vollzieht den Abschied schon jetzt. „Das kann natürlich jeder verstehen“, sind sich die Gäste verständnisvoll einig.

„Aber traurig und soo schade ist es trotzdem!“ Das weiß natürlich auch Uwe Petersmann. „Eine 95-jährige Dame kam jahrelang jeden Tag hierher“, erinnert er sich mit etwas wehmütigen Lächeln. Eine andere Stammkundin fuhr über Jahrzehnte hinweg stets, wenn sich die Gelegenheit ergab, von Lünen nach Unna, um bei Prünte ihren Kaffee mit einem oder auch zwei Stückchen Kuchen zu genießen.

Frühstücksfans vermissen „ihr“ Café

Schmerzlich werden auch die Frühstückfans „ihr“ Café an der Bahnhofstraße vermissen,  denn das opulente Prünte-Genießerbüffet an den Wochenenden war ähnlich legendär wie der Baumkuchen oder die delikaten Trüffel, die im großen Schlussverkauf an den letzten Dezembertagen nochmals zu Sonderkonditionen angeboten wurden. Den Original Prünte-Stollen gab´s schlussendlich zum halben Preis. Man kann sich den Abschied so wenigstens versüßen, hörte man es an der Theke zwischen warmem Händeschütteln und zahllosen guten Wünschen tief seufzen…

Prüntes Pralinen gibt es jetzt in der Pralinothek Unna

Immerhin bleiben die zart schmelzenden Schoko-Delikatessen aus der Prünte-„Hausfabrik“ der Eselsstadt erhalten: Nur einen Steinwurf vom Café entfernt hat Uwe Petersmann an der Bahnhofstraße 39f  die „Pralinothek Unna“ eröffnen. „Eventuell passt dort auch noch ein Kaffeeautomat hin“, plant er bereits vor – für die kleine, süße Pause zwischendurch wie gewohnt bei Prünte. Nur eben: kleiner. Aber genauso fein.

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