Rundblick-Unna » Bußgeld für Fröndenberger Feuerwehr: Mix aus Skandal und Kleinstadt-Provinzposse

Bußgeld für Fröndenberger Feuerwehr: Mix aus Skandal und Kleinstadt-Provinzposse

Das Bußgeld, das übergenaue Rathausmitarbeiter in Fröndenberg der Freiwilligen Feuerwehr in Altendorf verpasst haben, entpuppt sich als skurriler Mix aus Rathausskandal und Kleinstadtposse. Gerade mal 5 Tage länger als behördlich erlaubt lagen die Osterfeuerreste auf dem (städtischen) Schottergelände hinter dem Altendorfer Gerätehaus, berichtete uns am Abend der Leiter der Löschgruppe, Uwe Kissing – „14 Tage haben wir es auch in all den Jahren zuvor immer liegen, damit vor dem Wegräumen auch sicher alle Glutnester erloschen waren. Nie hat die Stadt was gesagt.“

Also verfuhren die wackeren Wehrkameraden ahnungslos auch nach dem diesjährigen Osterfeuer wieder so. Sie ließen die Osterfeuerreste komplett auskühlen, und Löschgruppenchef Kissing meldete nach 13 Tagen im Rathaus Vollzug: „Alles ordnungsgemäß weggeräumt.“ Alles klar, sei ihm signalisiert worden. „3 Wochen später kam aus heiterem Himmel der Bußgeldbescheid.“ Über 75 Euro. Weil die Brandgutreste laut „ordnungsbehördlicher Verordnung“ eben maximal 8 Tage herumliegen dürfen. Diese Verordnung, keineswegs neu, schien das Rathaus erst plötzlich jetzt für sich entdeckt zu haben. Ergo erging ein Bußgeld. Adressiert an Uwe Kissing privat.

Der selbstständige Raumausstatter und seit Jahrzehnten freiwillige Feuerwehrmann machte den Fehler, dieses „Osterfeuerknöllchen“ nicht Ernst zu nehmen. „Es kam mir so lächerlich vor, dass ich mir gar nicht die Mühe gemacht habe, Einspruch zu erheben. “ Denn Uwe Kissing hatte das Osterfeuer hinter dem Gerätehaus ja nicht zu seinem Privatvergnügen veranstaltet, sondern als Mitglied der Freiwilligenwehr und damit im Auftrag der Stadt. „Mein Anwalt sagte mir auch: Eigentlich hätte sich die Stadt diesen Bußgeldbescheid selbst schicken müssen. Ich ging davon aus, das verläuft im Sande.“

Fehlgedacht. Als Nächstes kamen Mahnungen. Streng nach Recht und Verordnung eben.  „Und jetzt wird es vollends lächerlich“, schildert Kissing die schier groteske weitere Entwicklung: Denn die erste Mahnung schickte die Stadt an Kissings Firmenadresse (was hatte nun der Raumausstattungsbetrieb genau mit dem Osterfeuer zu tun…?). „Dann haben sie mir das Geld von einer Rechnung abgezogen„, erzählt Uwe Kissing weiter – die Stadt hatte kürzlich die Dienste des Raumausstatters in Anspruch genommen und die Rechnung kurzerhand um das Osterfeuerbußgeld gekürzt.

Als „bodenlose Frechheit“ bezeichnet der Geschäftsmann dieses Vorgehen, gegen das er geharnischt protestierte. „Man hat kleinlaut beigegeben und den Betrag zurücküberwiesen.“

Damit war aber mitnichten dieses unselige Osterfeuerbußgeld für die ordnungsversessenen Ordnungswächter erledigt: Mahnung Nummer 2 bekam zu ihrer größten Verblüffung die Nachbarlöschgruppe in Langschede. „Die wussten nun überhaupt nicht, was sie damit anfangen sollten“, beschreibt Altendorfer Löschgruppenführer die verwirrte Reaktion seiner Wehrkollegen im Westen.

Als Ende vom Lied stand am vorletzten Mittwoch wie ein verspäteter Nikolaus der städtische Geldeintreiber bei Uwe Kissing vor der Tür. Exakt 111 Euro und 20 Cent waren einzukassieren. Gezahlt hat der Feuerwehrmann – aktiver Feuerwehrmann ist er die längste Zeit gewesen, schildert er die persönliche Konsequenz, die er aus diesem Kleinstadt-Provinzskandal zieht.

Zum 1. 1. 2017 hat er beim Leiter der Fröndenberger Gesamtwehr seine Versetzung vom aktiven in den passiven Dienst beantragt. Seine Löschgruppe, ohnehin nur noch aus 10 Aktiven bestehend, wird sich in Folge dieses für alle unfassbar unfähigen und/bzw. kleinkarierte Gebarens wohl pulverisieren, dafür genügt bei dieser Kleinheit schon eine Handvoll Austritte.

Der Noch-Löschgruppenführer macht klar: „Es geht mir hier nicht um eine Extrawurst fürs Ehrenamt, sondern darum, wie bodenlos frech – und unfähig – sich die verantwortlichen Stadtmitarbeiter verhalten haben.“ Keine Vorwarnung, kein Versuch, die Sache mit einem kurzen Gespräch zu klären? „Mit mir“, sagt Uwe Kissing klipp und klar, „hat niemand gesprochen.“

Der Chef im Rathaus, Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe, soll am Wochenende auf dem Christkindlmarkt von einer Bürgerin aus Altendorf gefragt worden sein: Was er denn als Chef der Stadt (und das Ehrenamt so gern und häufig Lobender) zu tun gedenke? Rebbe habe versichert, er werde das Gespräch suchen, so bald sein enger Terminkalender es zulasse. Eventuell finde sich erst im neuen Jahr ein Termin.

Link zum Erstbericht vom Wochenende: http://rundblick-unna.de/osterfeuerreste-zu-spaet-weggeraeumt-stadt-froendenberg-bringt-mit-bussgeld-freiwilligenwehr-gegen-sich-auf/

Kommentare (20)

  • Helmut Brune

    |

    Dann hat Fröndenberg jetzt also auch seine eigene Causa.

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Wuaah Helmut – nicht DIESES BÖÖÖSE WORT!!!

      Antworten

  • Wierumer

    |

    Danke für den (auf)klärenden Bericht, zeigt er doch den Skandal in vollem Umfang und führt die Unfähigkeit, die Borniertheit, Frechheit und fehlendes Augenmaß dieser Rathausmitarbeiter vor Augen.

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Es ist schon atemberaubend, dass die Kenntnis um die Hintergründe alles noch viel ärger machen…

      Antworten

  • Mike

    |

    Unglaublich, also war der gute Mann nichtmal persönlich verantwortlich und Bußgeld und Co. wurden falsch zugestellt und Geld quasi gepfändet. Veranstalter war ja die Stadt und die Feuerwehr hat quasi nur ausgeführt. Das Verhalten grenzt an Amtsanmassung einer Firma unberechtigt Geld zu pfänden.

    Ich erwarte, daß der Dienstherr vom Ordnungsamt und Feuerwehr die Verantwortung übernimmt und Konsequenzen zieht. Es kann nicht sein, das die Feuerwehr etwas für die Stadt macht und Feuerwehrangehörige persönlich haftbar gemacht werden. Wenn haftet der Veranstalter also die Stadt selber.

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Ja, laut der Anwaltseinschätzung des Herrn Kissing hattest du Recht mit deiner Vermutung, Mike, dass die Stadt diesen Bußgeldbescheid korrekterweise an sich selbst hätte schicken müssen. Und die doppelt falsche Mahnung kommt obendrauf…

      Antworten

  • Mike

    |

    Und wenn der Dienstherr der Bürgermeister diese Jahr noch nichtmal mehr Zeit haben sollte sich darum zu kümmern und auch um den Erhalt der Löschgruppe einzusetzen und somit die Sicherheit für die Bürger aufrecht zu halten ziehen die Wähler hoffentlich die Konsequenzen.

    Antworten

    • Wierumer

      |

      Das der Bürgermeister, der mit Sicherheit über den gesamten Vorgang Kenntnis hatte, (so groß ist das Fröndenberger Rathaus nun auch nicht und man kennt sich ja um dem Filz zu frönen) keine Zeit hatte, selbst auf Ansprache einer besorgten Bürgerin kürzlich auf dieses Thema, zeigt doch wie weit entfernt er von seinen Wählern entfernt agiert. Aber selbst wenn die Wähler reagieren und Konsequenzen ziehen geht er doch mit einer steuerlich finanzierten Pension sorglos in den Ruhestand. Warum also sich unangenehmen Themen rum ärgern??

      Antworten

  • Markus Antonius

    |

    Herr Rebbe scheint ein Mann zu sein, der Prioritäten zu setzen weiß – und vom Funktionieren dörflicher Gemeinschaften nicht den blassesten Schimmer hat. Sonst wüsste er um die Bedeutung der Wehren für das Sicherheitsgefühl der Dorfbewohner sowie als Kristallisationspunkt des Vereinslebens. Ohne die Wehr kein Dorfreinigen, kein Osterfeuer, kein Maibaum und kein Martinszug.

    Ach ja: Herr Rebbe muss dem NRW-Gesetzgeber dankbar sein, daß dieser auf die Festlegung verbindlicher Hilfsfristen (Zeitraum vom Eingang des Notrufs bis zum Eintreffen der Hilfskräfte) verzichtet hat. Den deren Erreichung wäre in Altendorf fraglich. Aber unverbindliche Richtwerte sind nicht einklagbar.

    Antworten

  • Kölnerin

    |

    Und da sagt man in Köln immer der „Kölsche Klüngel“!

    Wenn ich das hier lese zweifel ich am normalen Menschenverstand. Wie kann ein Ordnungsamt so schlecht aufgestellt sein? Dies ist ja nicht die einzige Posse der Angestellten dort. Spontan fällt mir da ein zweiter Fall ein, indem das Fröndenberger Ordnungsamt ihre eigenen Gesetze macht und Steuergelder für Gerichtsverfahren aus dem Fenster wirft, wo das Recht eindeutig ist und es dann noch auf eine 2. Anklage ankommen lässt.

    Ich weiß nicht, ob ich da drüber lachen oder weinen soll?

    Und wenn ein Bürgermeister nicht einmal den Anstand und Respekt hat, sich für seine Ehrenamtler ins Zeug zu legen und sich Zeit nimmt (von der Ahndung der widerrechtlichen Maßnahmen mal abgesehen) sollten die Bürger der Stadt Fröndenberg ihre nächste Wahl gut überdenken.

    In diesem Sinne Fröndenberg Alaaf – das kann alles nur ein Karnevalsscherz sein.

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Helau und Alaaf, Kölnerin, aus Fröndenberg – sobald sich die Posse als Karnevalsscherz entpuppt, lassen wir es dich wissen. Versprochen!

      Antworten

      • Kölnerin

        |

        Ich glaube fast, die Gemeinde ist nicht zu Scherzen aufgelegt. Sie fühlen sich im Recht und bestätigt. Oder ist es ihr Ziel die FFW los zu werden? Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

        Es würde auch echt mein Amusementcenter treffen, aber es ist einfach total drüber und unfassbar ignorant.

        Da sind Männer und Frauen, die ehrenamtlich in der FW tätig sind und ihr Leben für die Bürger von Fröndenberg ohne wenn und aber riskieren würden. Sie würden in Flammen rennen um zu retten. Nachts aus den Betten steigen für den verunfallten Nachbarn. In die Höhe Steigen um den Baum zu fällen, der aufs Haus zu stürzen droht….Und dann kommt so eine Ignoranz daher?

        Lustiger Amtsschimmel. Oder eher peinlich!

        Traurig und beschämend!

        Fröndenberg Alaaf!

        Antworten

        • Silvia Rinke

          |

          … dein Amusementcenter… sehr coole Wortschöpfung… Ja, der Löschgruppenleiter selbst schwankte in unserem Gespräch zwischen Zorn und Amüsement… Alaaf…

          Antworten

  • Dagobert

    |

    Meine Oma hat immer gesagt : “ Sie immer nett zu der freiwilligen Feuerwehr. Es kann sein dass du die Jungs eines Tages mal brauchst !“ Eigentlich kann es sich keine Stadt leisten, die FF zu vergraulen. Der Bürgermeister sollte lieber noch dieses Jahr einen Termin machen, unabhängig vom Kalender.

    Antworten

  • Petter Uhlenbusch

    |

    Das ganze erinnert mich irgendwie an eine Posse von Ephraim Kishon, wenn es nur nicht so traurig wäre.

    Antworten

  • gubch

    |

    Auch für ein Ehrenamt habe ich das Recht auf eine respektvolle Behandlung. Und gerade bei der Feuerwehr . Denn hier halten die Kameraden und Kameradinnen ihren „Arsch“ (ganz direkt gesagt) für uns alle hin und da sollten die Städte und Gemeinden überlegen was die Feuerwehr ohne Freiwillige wäre

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Meine persönliche Hochachtung und meinen riesigen Dank für den Einsatz der freiwilligen Feuerwehr, gubch! Und damit weiß ich mich in riesiger Gesellschaft!

      Antworten

  • Günter

    |

    Ich habe die Diskussion aufmerksam verfolgen. Ich muß euch mal sagen , egal wer oder was ,wenn ich einen Fehler mach muß ich auch dafür bezahlen. Egal ob freiwillig Feuerwehr, Polizei, Bürgermeister oder oder .Nur weil ich ein öffentlichen Amt Bekleidung oder für dass wohl der Bürger tätig bin habe ich keine sonder rechte. Wer dass möchte hat den sin einer Demokratie nicht verstanden.
    Also , sei ein Mann und bezahle dein (eure )Strafe.

    Antworten

    • Silvia Rinke

      |

      Ähem Günter, er hat doch bezahlt. Nicht gelesen?

      Antworten

    • Wierumer

      |

      @Günter
      zuerst habe ich ja bei ihrem Kommentar gedacht sie sind Vasall oder Jockel vom Bürgermeister Rebbert. Habe mir aber dann den Kommentar näher angesehen und gedacht, so blöd sind die selbst im Rathaus von Fröndenberg nicht. Vielleicht sollten sie mal ihre Rechtschreibkorrektur neu einstellen ansonsten bietet die VHS auch Abhilfe. Daneben auch inhaltlich nur Mist.

      Antworten

Kommentieren