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Bürgermeisterkandidat gegen Kolter? CDU schließt Mitgliedervotum nicht aus

Während die SPD selig die Sektkorken knallen lässt auf die Wiederkandidatur „ihres“ Bürgermeisters – Werner Kolter – , lässt die CDU die Kandidatenfrage möglicherweise direkt über ihre Mitglieder entscheiden. „Wir schließen nichts aus. Auch nicht, dass es möglicherweise ein Mitgliedervotum gibt“, erklärte Parteichef Gerhard Meyer am Wochenende an seinem Urlaubsort telefonisch gegenüber Rundblick Unna.

Der Vorsitzende betont, dass die CDU-Spitze eine Entscheidung nicht über die Köpfe der Mitglieder hinweg treffen wird. „Wir erörtern die Frage, ob wir einen eigenen Kandidaten aufstellen und wer dieser Kandidat dann sein könnte, zuerst im Parteivorstand“, schilderte der Chef der zweitgrößten Ratsfraktion (15 Sitze) das Vorgehen, sobald er am Montag wieder aus dem Urlaub zurückgekehrt sein wird. „Wir werden keinesfalls eine Entscheidung von oben auf die Partei stülpen.“

Er sehe seine Aufgabe – „anders als offenbar andere in der lokalen Politik“ – als „Mannschaftsspiel“, betonte Meyer. Dass sich der Fraktionsvorsitzende Gerhard Heckmann öffentlich bereits für eine Unterstützung Werner Kolters ausgesprochen hat, sieht der Parteichef nicht als relevant an für einen die Gesamtpartei betreffenden Beschluss. „In den Ortsunionen wird die Frage des Bürgermeisterkandidaten in den kommenden 14 Tagen eingehend diskutiert und beraten“, ist er sich sicher. „Wir wollen so viele wie möglich mitnehmen.“ Deshalb schließt der CDU-Vorsitzende auch ein Mitgliedervotum nicht aus, sprich einen Basisentscheid – die 270 Unnaer CDU-Mitglieder dürften rasch befragt sein, und unter akutem Zeitdruck sieht Meyer seine Union sowieso nicht: Die Direktwahl der Bürgermeister in NRW durch die wahlberechtigten findet am 13. September kommenden Jahres statt.

Gleichwohl steht die CDU als zweitgrößte politische Kraft doch unter einem anderen Zugzwang als die Zwei- und Dreimann-Fraktionen. Für die Freien Wähler schließt zumindest FLU/FW-Fraktionschef Klaus Göldner einen eigenen Kandidaten gegen Kolter aus (unser Bericht). Die Parteiführung hat sich offiziell zwar noch nicht erklärt, doch es ist unwahrscheinlich, dass die Freien einen Konkurrenzkandidaten gegen Kolter aus dem Hut zaubern – zumal praktisch jeder Kandidat gegen den langjährigen populären Amtsinhaber nur verlieren kann.

Das weiß natürlich auch eine jahrzehntelang erfahrene Lokalpolitikerin wie Charlotte Kunert, die für sich und die Bündnisgrünen (sieben Mandate, drittstärkste Kraft) am Wochenende erklärte: „Ich persönlich freue mich über die Kandidatur von Werner Kolter und werde ihn entsprechend unterstützen. Die Grüne Fraktion trifft sich am Montag und wird danach ein Statement abgeben. Ich werde auf keinen Fall als Kandidatin gegen Kolter antreten.“ Äußerst unwahrscheinlich, dass es – nach diesen deutlichen Worten vor allem – ein anderer tun wird.

Ob es sich bei der CDU jemand „antun“ wird dürfte daher zugleich auch die Frage beantworten, ob die Wähler am 13. September 2015 überhaupt eine Alternative bekommen oder ob sie nur diesen einen bekannten Namen vor sich sehen: Werner Kolter. Es wäre nicht die erste Bürgermeisterwahl ohne Auswahl. In Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) zum Beispiel trat bei der Kommunalwahl am 25. Mai der etablierte CDU-Bürgermeister außer Konkurrenz an. Die übrigen Parteien fühlten sich vom langjährigen Amtsinhaber ebenfalls ernst genommen und fachlich „relativ gut vertreten“. Vor allem mangelte es aber an geeigneten (und willigen) Kandidaten, und ein Bürgermeisterwahlkampf kostet ja obendrein Geld – das gerade die kleinen Fraktionen nicht haben.

So blieb ein Durchmarsch des Amtsinhabers und den Wählern an der Urne nur ein „Ja“ oder „Nein“. Das kam beim Wahlvolk insgesamt aber gar nicht gut an. Und die Schmallenberger SPD bereut es inzwischen offen, dass sie den Wählern nicht zumindest eine Alternative geboten hat. Allein: Was will man machen, wenn es niemand machen will? In Unna könnte die Frage am Ende ähnlich resigniert beantwortet werden.

 

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