Rundblick-Unna » Bürger putzen und jäten selbst – bisher haben sie nur irgendwie wenig Lust darauf

Bürger putzen und jäten selbst – bisher haben sie nur irgendwie wenig Lust darauf

Allein auf weiter Flur… nennt man das wohl. Ohne eine Spur von zupackendem Bürgerinteresse verlief am Samstag der „Dorfputz“ im Doppeldorf Mühlhausen-Uelzen. „Nichts und niemand ist gekommen“, bilanzierte nüchtern die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Mühlhausen-Uelzen, Bärbel Risadelli. Zusammen mit ihren Genossen hatte sie nach der erstmaligen „Dorfkonferenz“ vor 14 Tagen zu einer gemeinschaftlichen Grünpflege- und Dorfputzaktion aufgerufen, da die Stadtbetriebe wegen des Sparzwangs personell sehr ausgedünnt sind und speziell dem wuchernden Wildwuchs in diesem nassen Sommer und Herbst kaum noch hinterherkommen.

Die Idee, dass die Bürger selber in die Bresche springen und buchstäblich eigenhändig mit der Heckenschere den Wildwuchs frisieren, wird von den Unnaern sehr zwiespältig aufgenommen. Auch unsere Leser auf Rundblick und via Facebook diskutieren diese Frage kontrovers: Die einen finden es richtig – und letztlich unverzichtbar -, dass sich die Bürger in Zeiten knapper Kassen und derr Haushaltssperre mit mehr Eigeninitiative an öffentlichen Aufgaben beteiligen. Die anderen sehen hierin eine schleichende Gefahr: dass sich die Stadt nämlich aus immer mehr Aufgaben dezent zurückzieht, wenn sie sieht: Ach, die Bürger erledigen diese Arbeiten ja auch selbst. Und vor allem: Sie tun es kostenlos.

Vielleicht liegt hierin ein Grund, wieso der SPD-Ortsverein am Samstag in Mühlhausen und Uelzen alleine putzte und Unkraut rupfte. Möglicherweise lag es aber auch einfach an den Ferien und dem fast sommerlichen Wetter, das alle ins Blaue oder in den eigenen Garten trieb. Egal, woran es lag, „so schnell werden wir nicht aufgeben“, gibt Bärbel Risadelli als kämpferische Parole aus. „Wir werden an der Aktion festhalten.“ Im März folgt zunächst mal der turnusmäßige Termin „Aktion Saubere Landschaft“ – diese gibt es ja seit Jahrzehnten in praktisch jedem Ortsteil, doch die Lust am Zupacken schrumpft auch hier schleichend, aber zusehends in jedem Jahr.

Die Mühlhausener und Uelzener sollen nach der März-Aktion direkt im Mai wieder an die Schüppen und Harken komplimentiert werden, plant Bärbel Risadelli. „Wir haben jetzt einen Impuls gesetzt“, ist sich die SPD-Vorsitzende des grünen Doppeldorfs sicher. „Beim nächsten Mal werden wir auch rechtzeitige und flächendeckender die Information im Ort kundtun. Bei dem herrlichen Wetter haben viele ja auch im eigenen Garten Hand angelegt.“

Der Feuerlöschteich, bilanziert Risadelli unverdrossen, habe jedenfalls erst mal keinen Brennnesselbewuchs mehr: „Und das Kriegerdenkmal ist vom Müll befreit und schick gemacht worden. Also, auf ein Neues!“

 

Kommentieren