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Bei Nightwash sitzen Sie in der ersten Reihe…

Nightwash in der Lindenbrauerei Unna: Der unglaubliche Heinz singt. Foto: Silvia Rinke

Trägt seinen Namen nicht zu Unrecht: Der unglaubliche Heinz. Foto: Silvia Rinke

„Begrüßen Sie den Moderator des heutigen Abends, MICH!!“, schreit der unglaubliche Heinz ins noch eher moderat brodelnde Publikum – fassungslos, Reihe eins fast leer. Geht gar nicht.

Daher erklärt er Andreas und Simon, seine einzigen Reihe-Eins-Waghalsigen, gleich zu „den Lieblingsbesuchern des Abends, so, da habt ihr´s hier in Unna!“ Unna bekam Nightwash verpasst: mit dem unglaublichen Heinz (Gröning), dem sensiblen Poeten im Körper eines übermäßig behaarten Lkw-Fahrers; David Werker, dem Comedypreisträger und Dauerstudenten, der gerade „eine nicht ganz so gute Zeit“ hat, „bin zum zweiten Mal in 14 Tagen in Unna“ und Studentenerkenntnisse mitbringt wie „schmutziges Geschirr schimmelt nicht im Gefrierfach“. Ein zweiter David (Anschütz) steht nicht im Programm, macht seine Sache aber prima im ausgeleierten Karohemd und offenbart (ganz zum Schluss), dass er sich mit dem ersten David die Freundin teilt.

Dann gibt uns Nightwash noch den Friedemann (Weise), der (unbeabichtigt?) die „Singing Windmill“ Joe Cocker imitiert, doch eher bei Cocker im Vollrausch und für ganz Arme landet. Man ist irgendwie beide Male froh, als er auf seiner Wanderklampfe ausgeklampft hat und wieder von der Bühne abzieht.

Integrationsversessene Türken-Wuchtbrumme

Nightwash in der Lindenbrauerei Unna: Meltem Kaptan tanzt. Foto: Silvia Rinke

Melten Kaptan und Michael – aus dem Publikum auf die Bühne integriert. Foto: Silvia Rinke

Ein ganz anderes Kaliber ist Meltem Kaptan, die als integrationsversessene Türken-Wuchtbrumme das ultimative Erfolgsrezept für die gelungene integrative Geburtstagsfeier lüftet: „Bei uns Türken wird ja gefressen, bis der Arzt kommt – bei Deutschen gesoffen, bis der Arzt kommt. Also schmeißen wir das zusammen und bekommen Integration, bis der Arzt kommt!“ Tänzerisch integriert sie einen Michael aus Reihe zwei (da in Reihe eins ja kaum wer), der für Meltem schwachsinnige Textplakate hochhält wie, „Igitt der Dreck kein schnuller den benz bitte schälen“, und dazu scharwenzeln sie mit kreisenden Hüften zu türkischem Pop umeinander, das kommt sehr cool und lässt das Publkum gröhlen.

Tja, und dieses Gegröhle und Mitgeklatsche bannt Moderator Heinz noch vor der Pause auf Video und stellt´s auf Facebook und am Ende von Teil zwei filmt er noch mal zum Vergleich. Unna außer Rand und Band: Facebook, Seite „Heinz Gröning – der unglaubliche Heinz“. Mitklatschen und mitgröhlen, prächtig.

Sensible Poeten – auch wenns um den Suff geht

Also, diese fast leere Reihe eins ist für „… Hhhnnnz..“ sagen wir mal gewöhnungsbedürftig, doch immer noch besser als solche Leute in Reihe eins, „die da rumhocken so steif wie Tut-Ench-Amun und dem Gesicht von Angela Merkel.“ Er fragt sich immer, wieso die für Comedy Geld ausgeben statt in Körperwelten was zu verdienen. 1,83 Meter geballte Manneskraft ist Heinz. Er verrät Lebensendweisheiten: „Einer, der trank, starb. Einer, der nicht trank, starb auch. Aber der, der nicht trank, starb früher, weil der, der trank, ihn überfuhr.“ Sensibler Poet ist Heinz.

Guck mal auf die Waage!

Er dichtet und singt dazu: „Du willst, dass ich dich auf Händen trage – ich sage: Guck mal auf die Waage! So kann ich dich nicht beglücken… ich hab Rücken.“ Er singt seinem Publikum feierlich „Schön, dass ihr da seid!“ entgegen, und es antwortet artig im Chor „schön, dass du da bist“ – hä, feixt Heinz, „das klingt wie ´ne Sekte.“ Noch ein Witz mit Reim: „Gemeinsamkeit eines VW Touring und Jesus: Das Auto und der Christenführer/beide Mär-tührer. – Ja, dauert ein bisschen“, witzelt der Unglaubliche auf ein paar Spätzünderlacher.

Dauerlacher bei David Werker, der Germanistik „nicht auf Lehramt, auch nicht auf Magister, sondern auf gut Glück“ vor sich hin studiert, der „immer was mit Medien machen wollte – mein Vater riet mir deshalb: Trag Zeitungen aus.“ – „Sind Studenten hier?“, ruft er und strahlt wie hulle, als sich tatsächlich schüchtern ein Fingerchen hebt: „Ist ja toll! Was studierst du? – „Äh… soziale Arbeit.“ – „Macht doch nichts!“

Überholt von der Wanderbaustelle

Nightwash in der Lindenbrauerei Unna: David Werker in Aktion. Foto: Silvia Rinke

David Werker ist witzig.

David hat als Student das Motto „der späte Wurm überlebt den frühen Vogel“ verinnerlicht und herausgefunden, dass dreckiges Geschirr nicht schimmelt, wenn man es tieffrostet. Seine Zimmerpflanzen vertrocknen auch nicht, sondern „wachsen knusprig“, und als Student fährt er eine grottenlahmen R4 und sein Kommilitone auch einen, „so sind wir schon bei R8.“ Auf der Autobahn werden sie problemlos von Wanderbaustellen überholt und sind explizit von Verkehrsfunkwarnungen wie dieser gemeint: „Achtung, es befinden sich Gegenstände auf der Fahrbahn.“

Nightwash zum Zweiten 2013 in Unna, erneut zwei Stunden Stand-Up-Comedy zum Wegschmeißen. Wollen wir mehr von.

Kamerakind: Der unglaubliche Heinz

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