Rundblick-Unna » Bande ergaunerte durch „Offertenschwindel“ über 6 Mio. € von arglosen Geschäftsleuten – jetzt flog sie auf: 5 Verdächtige in U-Haft

Bande ergaunerte durch „Offertenschwindel“ über 6 Mio. € von arglosen Geschäftsleuten – jetzt flog sie auf: 5 Verdächtige in U-Haft

Über sechs Millionen Euro zahlten arglose Unternehmer für vermeintliche Einträge in Adressdateien – sämtliches Geld landete auf Konten von Scheinfirmen, die ständig wechselten, ein Teil der Summe floss über dunkle Kanäle ins Ausland ab. Am Dienstag ließen Polizei und Steuerfahndung die betrügerische Bande auffliegen. Ein konzertierter Schlag gegen die organisierte Bandenkriminalität ist wieder gelungen.

Unter Federführung der Staatsanwaltschaft Essen durchsuchten vor zwei Tagen 130 Beamte der Steuerfahndung Bochum und der Kripo Dortmund zusammen zwei Dutzend Wohnungen und Büros. Im gesamten Ruhrgebiet und im Sauerland, von Warstein bis nach Münster, von Düsseldorf bis Hamm.

Fünf Verdächtige wurden festgenommen und sitzen in U-Haft. Darunter der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 40jähriger Mann, und ein 31Jähriger, seine „rechte Hand“. Beide sind aus Hamm. Ihre Millionenbeute ergaunerte das Quintett mittels „Offertenschwindel“: Die Gewerbetreibenden erhalten ein schriftliches Angebot, das mit pseudo-offiziellen Formularen Zahlungsverpflichtungen vortäuscht. Alle Unternehmer erwarten tatsächlich eine offizielle Rechnung, da sie sich kurz ins Handelsregister haben eintragen lassen. Wird dann in der Hektik des Tagesgeschäfts der Betrag in Höhe von 550 Euro aufgrund des Offertenschreibens überwiesen, darf der Geschädigte sich über einen völlig nutzlosen Eintrag in irgendeiner Adressdatei wundern.

Zudem hatte die Bande für ihre Betrugsmasche über Jahre ein Konstrukt aus immer wieder wechselnden Scheinfirmen gebaut, um die Einnahmen zu verschleiern. Man wollte schließlich möglichst keine Steuern zahlen. Auch ein Steuerberater in die Betrugsmasche verwickelt. Insgesamt richtete die Bande einen Schaden von über 6 Mio. € an. Nach bisherigen Erkenntnissen ist ein Teil des Geldes im Ausland gelandet. Dort wurden zeitgleich amtliche Maßnahmen durchgeführt.

Polizei und Industrie- und Handelskammern raten allen Gewerbetreibenden dringend, Angebote von Adressdateien immer zunächst in Ruhe zu prüfen: So viel Zeit muss einfach sein. Hat ein Unternehmen schon gezahlt, so kann ein Vertrag gegebenenfalls wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung angefochten werden.

In einem von der Polizei, IHK-Organisation und Verbraucherschutzzentralen entwickelten Merkblatt „Offertenschwindel“ finden Unternehmen Tipps und Mustertexte, wie sie sich gegen das Geschäftsgebaren unseriöser Adressbuchverlage wehren können.

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