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AWO-Streik: 170 Beschäftigte protestierten – Viele Fotos – So geht es weiter

Der jüngste Demoteilnehmer ist eindeutig Lasse. Wieso der 13-Jährige an diesem Donnerstagmittag im Trillerpfeifenkonzert mit durch Unna marschiert? „Weil die Leute, die bei der AWO arbeiten, gerechter bezahlt werden müssen“, erklärt der sommersprossige Junge sehr energisch. Sein Vater, mit dem er das Demo-Banner hochhält, lächelt. „Genau so ist es auf den Punkt gebracht.“ „Warnstreik“ steht auf dem Banner. Es ist die zweite Warnung. An die Adresse dere Arbeitgeberin: die Arbeiterwohlfahrt.

Mit einem eindrucksvollen Protestzug durch Unna und Kundgebung vor dem Zentrum für Information und Bildung (ZiB) demonstrierten am Donnerstagmittag rund 170 Beschäftigte aus AWO-Einrichtungen der Bezirke Hamm und Unna für eine gerechtere Bezahlung ihrer oft knochenharten Arbeit. Von günstigenfalls 150 Streikteilnehmern war die Gewerkschaft Verdi am Vorabend ausgegangen; umso freudiger blickte Verdi-Sekretär Björn Paul Lucht um 11.30 Uhr über den rappelvollen Bibliotheksvorplatz. „Ich finde es ganz toll, dass ihr in so großer Zahl gekommen seid!“, rief er in Ermangelung eines Megaphons lautstark gegen den Wind an; gegen den Wind, durchdringendes Trillerpfeifengetöse und das lautstarke Handgeklapper mit Plastikhänden, denen der WM. Bloß, dass diese nicht Schwarz-Rot-Gold waren, sondern grün und „Verdi“ auf ihnen prangte.

„Was wollen wir?“, rief Björn Paul Lucht rhetorisch und fasste die Forderungen für die Mitarbeiter in Kitas, Senioren- und Pflegeheimen, Beratungsstellen und weiteren Einrichtungen der AWO zusammen. Erhöhung der Monatsentgelte um zunächst 100 Euro Sockelbetrag und danach weitere 3,5 Prozent. Eine monatliche Zulage von 150 Euro für pädagogische Fachkräfte in Entgeltgruppe 6. 100 Euro mehr pro Monat für Auszbildende – „und nach dem Ende ihrer anspruchsvollen Ausbildung sollen sie dann auch von der AWO übernommen werden!“, rief Lucht. Grelle Pfiffe und tösendes Handgeklapper zur Zustimmung. Eine blonde Auszubildende hielt demonstrativ ihr knallgrünes Schild extra hoch: „100 Euro mehr!“ stand darauf.

Ganz besonders erbost sind die Beschäftigten und ihre Gewerkschaftsvertreter über die aus ihrer Sicht schreiende Ungerechtigkeit zwischen den Löhnen der AWO und denen im öffentlichen Dienst und bei anderer Trägern. Ob nun Caritas, Kirche, Stadt oder Kreis: „Niemand zahlt seinen Erzieherinnen und Erziehern so wenig wie die AWO“, kritisierte eine Kita-Mitarbeiterin, die unerkannt bleiben wollte. So bekomme eine Erzieherin in einem städtischen Kindergarten Monat für Monat 170 Euro mehr als ihre Kollegin, die die gleiche Arbeit in einer AWO-Kita verrichte, rechnete Björn Paul Lucht vor. „Und ausgerechnet die Kita-Beschäftigten sollen jetzt noch weniger bekommen als die Kolleginnen und Kollegen in anderen AWO-Einrichtungen. Gerade mal 1,9 Prozent mehr!“ Doch auch das Angebot der AWO für die übrigen Beschäftigten ist für Verdi strikt „nicht verhandelbar“: Kein Sockelbetrag, keine zusätzlichen freien Tage für Verdi-Mitglieder (die Gewerkschaft verlangt drei) – und eine reale Tariferhöhung von mageren 2,3 Prozent. „Zum Vergleich: Im öffentlichen Dienst gibt es zum 1. 3. 2014 monatlich drei Prozent mehr, mindestens 90 Euro“, betonte Lucht. „Im nächsten Jahr kommen nochmals 2,4 Prozent dazu. Da wollen wir dranbleiben!“

Da müsse man dranbleiben, beharrte eine Erzieherin, während der Protestmarsch unter Handgeklapper über die Massener Straße zum Alten Markt weiterzog: „Sonst klafft die Schere zwischen denen, die die gleiche Arbeit machen, nur unter verschiedenen Trägern arbeiten, noch weiter auseinander.“ Alle Träger bekommen vom Land diesselben Zuschüsse, unterstreicht die junge Frau, „das regelt das Kinderbildungsgesetz, das Kibiz.“ Wieso denn dann gerade die Wohlfahrt ihren Beschäftigten so deutlich weniger zahlt? „Keine Ahnung! Sogar die Kirchen zahlen mehr.“

Am Freitag ist zweiter Streiktag: Um 8 Uhr fahren die Beschäftigten der AWO-Bezirke Unna und Hamm ab Bergkamen zur NRW-weiten Demo nach Bochum. Die 30 AWO-Kitas im Kreis sollen nach dem Wunsch von Verdi den ganzen Tag geschlossen bleiben.

Ab Montag, 13. Oktober, beginnt ein Staffel-Streik: Täglich im Wechsel tritt ein anderer AWO-Bezirk in den Ausstand. Staffelstreiktag für den Bezirk Unna-Hamm ist der Donnerstag, 23. Oktober. Am 28. Oktober beginnt die nächste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern.

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