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AWO attackiert Verdi wegen fortdauernder Streiks

Im Streit um die Tarifverhandlungen für die AWO-Beschäftigten verschärft sich die Tonlage. Zahlreiche Kitas in AWO-Trägerschaft meldeten im Kreis Unna heute „geschlossen“ an, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Morgen von Bergkamen aus zur landesweiten Protestkundgebung nach Bochum fuhren. Schon gestern hatten 170 Beschäftigte des Bezirksverbandes Unna-Hamm mit einem Demozug durch Unna nachdrücklich unter Trillerpfeifengetöse ihre Forderungen unterstrichen (unser Bericht). Mehr Lohn – gerechteren Lohn vor allem – fordern sie. Denn kein Träger zahle vor allem seinen Erzieherinnen so wenig wie ausgerechnet die Wohlfahrt.

Dass die Gewerkschaft Verdi ab kommender Woche zum „Staffelstreik“ aufruft – täglich tritt ein anderer Bezirk in den Ausstand – bringt die AWO nun erst recht gegen die Arbeitnehmervertretung auf. „Zieht Verdi die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der AWO in NRW nur in die Länge, um mit immer neuen Streikaktionen auf sich aufmerksam zu machen? Dieser Verdacht liegt nahe“, unterstellt verärgert Wolfgang Altenbernd, Geschäftsführer des AWO-Bezirks Westliches Westfalen. Bis zum 28. Oktober – dem Beginn der nächsten Verhandlungsrunde – werde jetzt praktisch pausenlos weitergestreikt. „Wann und wo genau, ist bislang unbekannt.“ Der „Staffelstreiktag“ für die AWO Unna-Hamm ist durchaus bekannt, es ist der 23. Oktober. Diesen Termin kündigte Verdi-Sekretär Björn Paul Lucht gestern während der Kundgebung vor dem ZiB an.

Für den Arbeitgeber liegt der Schwarze Peter ganz klar bei der Gewerkschaft. „Wir könnten einem neuen Tarifvertrag längst sehr nahe gekommen sein, wenn Verdi die Verhandlungen Anfang des Monats nicht unterbrochen hätte“, kritisiert Altenbernd. „Statt dessen werden heute die Kindertagesstätten bestreikt.“ Die AWO geht davon aus, dass knapp ein Zehntel der Kita-Angebote landesweit ausfiel. „Zu Lasten der Kinder und der Erziehungsberechtigten“, wirft Altenbernd den Arbeitnehmern und ihrer Vertretung vor. Dabei hat die AWO aus ihrer eigenen Sicht ein sehr konstruktives Angebot vorgelegt: „Mit einem Plus von 3,5 Prozent bei den Löhnen und Gehältern in zwei bis drei Stufen (beginnend am 1. Oktober) in den nächsten elf Monaten, Zulagen für einzelne Berufsgruppen sowie einer generellen Ausweitung des Jahresurlaubs auf 30 Tage.“ Dass dieses Plus von 3,5 Prozent indes über mehrere Jahre „zusammenaddiert“ wird, lässt die AWO unerwähnt. Ebenso den Fakt, dass ausgerechnet die Erzieherinnen in den Kitas – die ja angeblich händeringend gesucht werden – in der ersten Stufe nur magere 1,9 Prozent mehr Lohn bekommen sollen, während die AWO für andere Berufsgruppen immerhin 2,3 Prozent bietet. Unberücksichtigt bleibt im Arbeitgeberangebot auch die Schere zwischen den Erzieherinengehältern der AWO und denen anderer Träger – sei es nun Kirchen oder öffentlicher Dienst: Die Differenz beträgt laut Verdi-Sekretär Lucht für eine Erzieherin in Stufe 6 rund 170 Euro jeden Monat. Das sei weder nachvollziehbar noch akzeptabel. Denn alle Träger bekämen über das Landes-Kinderbildungsgesetz – das KiBiz – den gleichen Zuschuss.

Bezirksverbandschef Altenbernd hält hingegen die immer neuen Streikankündigungen für eine „unnötige Eskalation“. Wenn man vernünftig miteinander spreche, könne sich das Plus in den Taschen der 17 000 Beschäftigten in den rund 1000 AWO-Einrichtungen der Regierungsbezirke Arnsberg und Münster schon bald bemerkbar machen. Doch nun geht es erst Ende Oktober in die nächste Runde – angesichts der „gewerkschaftlichen Taktik“ mit ungewissem Ausgang.

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