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Alte Reifen verkauft – einer platzte – Fahrer starb: Verwarnung für Autohändler

Er kaufte bei einem Gebrauchtwagenhändler ein gebrauchtes Auto, fuhr damit auf die A 2 – und bei Hamm platzte bei 218 km/h ein Reifen: Der Pkw schleuderte gegen einen Lastwagen, der Autofahrer, 49 Jahre alt, starb noch an der Unfallstelle – er war nicht angeschnallt und eben mit enorm hohem Tempo unterwegs gewesen.

Wegen fahrlässiger Tötung an jenem tragischen Tag vor 4 Jahren stand jetzt erneut der Autohändler vor Gericht: Denn zwei der Reifen, die er damals an das Fahrzeug geschraubt hatte, waren über 10 Jahre alt. Der eine war bei jener verhängnisvollen Autobahnfahrt geplatzt.

Die Richter am Dortmunder Landgericht sprachen heute eine Verwarnung wegen fahrlässiger Tötung aus. Denn, so schildert der WDR die Urteilsbegründung: Das Opfer habe durch seinen Verzicht auf den Sicherheitsgurt eine erhebliche Mitschuld an dem tödlichen Unfall getragen.

Der Gebrauchtwagenhändler muss zudem eine Entschädigung in Höhe von 1.300 Euro an die Witwe des Verstorbenen zahlen.

Das Amtsgericht Hamm hatte den Autohändler in erster Instanz zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. In der Berufung wurde das Urteil jetzt abgeschwächt.

Die Verwarnung mit Strafvorbehalt ist die mildeste Strafe, die ein Gericht verhängen kann, und kommt bei Straftaten von geringem Gewicht in Betracht. Sie ist im Strafgesetzbuch in den §§ 59 ff. geregelt.

Kommentare (3)

  • Helmut Brune

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    Ist eine Frau, die durch solch ein Geschehen zur Witwe geworden ist, mit 1300 Euro entschädigt? Mir entgeht da jegliche Logik.

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  • Burkhard

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    Ich finde das Urteil gerechtfertigt, so bitter das auch für die Witwe sein mag. Der Autohändler trägt sicherlich eine Mitschuld, aber für mich ist der Autokäufer der Hauptverantwortliche, als Halter und Fahrer ist er gesetzlich verpflichtet auf den technischen Zustand seines Fahrzeugs ein Auge zu haben. Ganz ehrlich, ich würde nie mit einem Auto, das ich gerade bekommen habe mit so einem Tempo und dann nicht angeschnallt losbrettern. Das war absolut verantwortungslos. So sehe ich das.

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  • Redaktion Rundblick-Unna.de

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    Facebook-Kommentare:

    Heiko Blitz interessant zu wissen wäre, wie alt das Auto war (wenn jünger wie 10 Jahre, dann sehr komisch) und wieso er TÜV bekommen hatte… den gibts ja in der Regel beim Autokauf neu dazu…. vielleicht sind zur TÜVabnahme auch andere Reifen montiert gewesen? Dann wirds aber haarig und die Strafe zu gering….

    Heiko Blitz „Deshalb „darf“ der Händler das nicht, er läuft auch grosse Gefahr sich strafbar zu machen, fahrlässige Körperverletzung oder Schlimmeres. Ein Reifen ist ja geplatzt, in einem ganz ähnlichen Fall hat das OLG Nürnberg Beweis erhoben:
    OLG Nürnberg, 05.02.2002 – 3 U 3149/01
    In seinem Kurzgutachten im Rahmen des Strafverfahrens vom 13.10.1998 führt der TÜV aus, das aus technischer Sicht PKW-Reifen mit einem Alter von 10 Jahren und mehr als gefährlich anzusehen sind . Diese Problematik älterer Reifen ist in der Branche seit 1988/1990 bekannt , wie aus der Aussage des Zeugen hervorgeht. Die Montage überalterter Reifen birgt für das Vermögen und die Gesundheit von Käufern ein erhebliches Risiko . Ein Käufer darf deshalb darauf vertrauen, daß er auch im Fall des Kaufes von Gebrauchtreifen beim, Fachhandel kein gefährliches Produkt erwirbt (allgemein Reinking/Eggert, Der Autokauf, 7. Auflage, Rdz. 1921 ff).
    Das ist auch keineswegs „nur“ das Urteil irgendeines OLG. Der BGH, 11.02.2004 – VIII ZR 386/02 hat in einem anderen Fall (Ferrari) ausdrücklich dieses OLG-Urteil zur Begründung seiner Entscheidung herangezogen.
    Man läuft also als Händler sowohl in zivil-, als auch in strafrechtlicher Hinsicht ein extrem hohes Risiko, wenn man einem Kunden 10 (?) Jahre alte Reifen montiert. Ein Sachmangel ist das in jedem Fall.
    Hinzu kommt, daß ein Gericht das durchaus als grob fahrlässig, wenn nicht bedingt vorsätzlich einstufen könnte, wenn der GAU eintritt. Die Folge wäre der Verlust des Versicherungsschutz, u.U. die Existenzvernichtung.
    Deshalb „darf“ man das nicht, bzw. ist es nicht klug wegen ein paar gesparten EUR eine Vorstrafe und seine Existenz zu riskieren. “

    Rundblick Unna Heiko Blitz – Tempo 218 und unangeschnallt…?? Nichts Neues? Na ja… – Außerdem hat das AG Hamm ja durchaus härter entschieden, das LG sah es anders. Vor Gericht und auf hoher See… – tragisch allemal.

    Heiko Blitz tragisch sowieso…. unangeschnallt nicht klug….. aus dem Urteil geht hervor, dass der Käufer davon ausgehen darf, dass er ein verkehrstaugliches Auto mitsamt verkehrstauglichen Reifen erwirbt…. obendrauf der TÜV…. sollte man meinen alles ok.

    Christian Je Der Fahrer hat sich um den verkehrsfähigen Zustand seines Fahrzeugs zu kümmern und muss diesen vor jeder Fahrt prüfen. So steht es geschrieben. 10 Jahre alte Teifen sind keine Seltenheit und auch kein Grund keinen TÜV zu bekommen. Es wir lediglich empfohlen, nach 7 Jahren die Reifen zu erneuern. Zudem ist ein 10 Jahre alter gut gepflegter Conti, Michelin, Dunlop,… immer noch besser als ein brandneuer Linglong oder wieder China-kram sonst noch heißt.

    Rundblick Unna Christian Je, nachdem wir noch einmal in früheren Berichten nachrecherchiert haben, erschließt sich der Fall genau so, wie du schilderst. Die Frage des TÜV wird in keinem Bericht angeschnitten, dafür war aber dieser Fahrer mit geschätzten 218 km/h an jenem Abend unterwegs.

    Helmut Brune Ist eine Frau, die durch solch ein Geschehen zur Witwe geworden ist, mit 1300 Euro entschädigt? Mir entgeht da jegliche Logik.

    Rundblick Unna Wenn das Gericht auf erhebliche Mitschuld befindet nach der gründlichen Untersuchung des Unfallgeschehens, kommt so ein Urteil zustande.

    Helmut Brune Wird wohl so sein aber wenn man es so liest, klingt es Komisch.

    Rundblick Unna Ja, diese 1300 wirken schon ziemlich lapidar… :-/

    Heiko Blitz
    und was bekommt der TÜV, der derart alte Reifen toleriert?

    Rundblick Unna Das Autochen hatte ja ganz augenscheinlich die Plakette… :-/

    Heiko Blitz fragt sich warum….
    Rundblick Unna Jep.

    Heiko Blitz also für mich stellt sich die Frage, wieso der TÜV grünes Licht gab, nicht warum der Verkäufer ein TÜV-überprüftes Fahrzeug verkaufte…. nu ist die Verurteilung für mich nicht logisch nachvollziehbar….

    Silke Krüger eigentlich ist es eine Sauerei, das so alte Reifen überhaupt noch verkauft werden dürfen. Die gehören aus dem Verkehr gezogen, ich erlebe es immer wieder im Internet das so alte Reifen noch zum Kauf angeboten werden, weil die wenigsten eine Ahnung haben, wie sich die Dot Nr. auslesen lässt. Alles was älter als 8 Jahre ist, gehört in die Mülltonne und nicht auf die Strasse, da können die von aussen noch so toll aussehen, was innen los ist, sieht man ja nicht.

    Heiko Blitz der BGH sieht das wie wir 😉

    Silke Krüger
    Einen ähnlichen Fall hatte ich selber mal, mit einem Leihwagen von Mercedes Bremen direkt und mir platze hinten rechts der Reifen, bei 200 km/h auf der Autobahn es wurde damals ein Grossaufgebot an Gutachtern aufgefahren um herauszufinden wieso weshalb warum der Reifen geplatzt war. Ende vom Lied, der Vorherige Fahrer hatte Nagel rein gefahren was schriftlich festgehalten und gemeldet wurde, Meister hat geschlampt, hat den Wagen in die Vermietung gegeben ohne den Reifen zu wechseln und der Nagel hat dann das platzen verursacht. Ich hatte nur Glück das es auf der Autobahn in einer Linkskurve war und ich nur Stumpf gerade das Lenkrad gehalten habe und so rechts zum stehen kam auf der Standspur und der Meister seinen Job verlor. Erleben möchte ich das nicht noch mal, fahre selber gerne schnell aber da achte ich auch tunlichst auf sehr gute Reifen. Hier fehlt mir Zuviel Hintergrund Wissen in dem Fall, Gutachter können ganz genau feststellen wieso weshalb warum ein Reifen geplatzt ist aus den Reifenresten.

    Heiko Blitz Da hast Du Glück gehabt. Reifen sind der Kontakt zur Straße. Gibt viele, die das vernachlässigen leider.

    Silke Krüger Ja das haben die damals auch gesagt, Mercedes hat sich riesengroß entschuldigt, mit Blumen und kostenlosen Leihwagen usw. Mein Mann war damals bei Mercedes beschäftigt, hatte nur von Mercedes erst mal die Schnauze gestrichen voll, traute den Autos nicht mehr über den Weg der Schock saß zu tief.

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