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70er-Flashback mit nur 50 Besuchern – dafür mit Janis Joplin live

70er- Flashback als Zeitreise in die späten 60er und frühen 70er Jahre – ein ekstatischer Abend mit Musik-, Licht- und Tanzorgien. Leider nur vor bzw. mit knapp 50 Besuchern. Dies bei einer DJ-Größe wie Ruud van Laar und einer exzellenten Band wie Janis & The Kozmic Flowers, die mit ihrem tribute to Janis Joplin nah ans Original kommen, schwärmen Besucherinnen im Seventy-Blümchen-Hippielook begeistert; und insbesondere Sängerin Christine Zart haut mit ihrer geradezu entfesselten Rock-Röhre hemmungslos schreiend und mit den blonden Haaren wirbelnd selbst die ruhigsten Vertreter zeitweilig von den Barhockern. Weshalb gerade die Unnaer selbst sich zu solch tollen Events im Kühlschiff meist so rar machen, bleibt ein ungelöstes Rätsel für die Lindenbrauerei. Wie diese Tribute-Show gab es in der Retro-Reihe bisher keine einzige, die nicht mindestens mit guter, wenn nicht hochklassiger Band bestückt war, und gut, die meisten Tribute-Konzerte sind entschieden besser besucht als dieses am Vorabend des Einheitstages, der ein extralanges Wochenende einläutete und vielleicht viele – zu viele – sonstige Stammgäste der Kühlschiff-Partys zum Kurztrip verlockt hat. Die zeitgleiche Oktoberfestsause am Bahnhof mit ausverkauftem Bayernzelt – 800 Besucher – dürfte dem 70er-Event kaum Konkurrenz gemacht haben, denn die Klientel sind einfach viel zu verschieden. Janis & The Kozmic Flowers beweisen sich bewundernswert unbeeindruckt von der enttäuschenden Resonanz, ebenso von einer leichten Pannenserie, die zu allem Überfluss auch noch dazukommt: Nach ziemlich exakt einer Stunde fällt plötzlich der Ton aus. „Hey – wir haben es geschafft, dass sie Sicherungen rausfliegen! Wow!“, ruft der Gitarrist strahlend ganz spontan, und so viel geistesgegenwärtigen Humor muss man in so einer ärgerlichen Situation erst mal aufbringen.

70er Flashback II

Während die Jungs und Mädels am Mischpult hektisch die Fehlerquelle aufspüren und nach 20 Minuten auch beseitigt haben, zeigt die Band im Umgang mit der Panne nochmal Kreativität und souveräne Größe: Kurzerhand setzt sich .. an den Bühnenrand, winkt die spärlich versprenkelten Besucher zu sich und singt mit ihnen zusammen a capella – sehr woodstockmäßig und eine richtige kleine Sesssion. Ruud van Laar übernimmt dann zwischendurch (die Musikanlage funktioniert zum Glück), 20 Minuten später geht´s dann weiter. Janis & The Kozmic Flowers werden am Ende frenetisch beklatscht, dürfen und müssen sogar noch zwei Zugaben spielen. Hoffentlich lassen sie sich von diesem ersten Auftritt in Unna vom akuten Besuchermangel nicht schrecken. Für die, die da waren, war´s eine tolle Zeitreise in die Seventees. Doch damit sich solche Events mittelfristig für die Lindenbrauerei rechnen, müssen U50-Besucherzahlen schon die Ausnahme bleiben. Sonst soll und darf man sich über nichts mehr wundern…

 

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