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6streifiger A 44-Ausbau: Feuerwehr hat massive Bedenken – 20 Min bis AK Do/UN „nicht akzeptabel“

 

6-streifiger Ausbau der A 44 von Kreuz Dortmund/Unna bis zur Anschlussstelle Unna-Ost: Im Rahmen dieser Prüfung wird auch die Feuerwehr Unna um Stellungnahme gebeten. Sie äußert massive Bedenken gegen die Planungen und fordert bei Billmerich dringend eine Notauffahrt auf die A 1 in Fahrtrichtung Bremen. Denn: „Die  Situation zur Anfahrt von Rettungskräften im AK Do/Unna“ (mit einer realistischen Anfahrtzeit von 20 min) „ist nicht mehr zu akzeptieren.“ Ein aktueller Einsatz am 06. 12. – Suizidversuch von der Autobahnbrücke Unnaer Straße – habe das eindringlich bestätigt.

In ihrer Stellungnahme zum 6streifigen Ausbau schreibt die Feuerwehr Unna Klartext:

„Das Autobahnkreuz Do/UN kann in Fahrtrichtung Bremen durch keine Feuerwehr im akzeptierenden Zeitfenster erreicht werden Die Hauptfahrbahn in Richtung Bremen wird derzeit, bis nach der Anschlussstelle Dortmund/Unna, allein durch die Feuerwehr Schwerte abgedeckt. Eine Erreichbarkeit der Feuerwehr Unna – trotz ihrer unmittelbaren Nähe zum Autopbahnkreuz (weniger als 200 m) – ist derzeit nicht gegeben. Und es ist davon auszugehen, dass das Gefahrenpotential innerhalb des Autobahnkreuzes mit der Verkehrsdichte zunehmen wird.“

Erfahrungswerte vom Kamener Kreuz oder anderen Knotenpunkten zeigten, dass gerade in einem Autobahnkreuz jederzeit mit Verkehrsunfällen unter Beteiligung mehrerer Fahrzeuge, Gefahrgut und zahlreichen Menschen zu rechnen sei. „Die derzeitige Abdeckung durch die Feuer- und Rettungswache Schwerte ist …nicht mehr angemessen. Der Anfahrtsweg beträgt ca. 16 km. Inkl. Bearbeitungszeit des Notrufes, Ausrücke- und Anfahrtszeit ist … realistisch mit 20 Minuten zu rechnen. Nach diesen 20 Minuten trifft lediglich das Erstfahrzeug der Feuerwehr Schwerte ein.“

Sämtliche Gerätschaften müssten über diesen (zu) langen Anfahrtsweg herbeigeschafft werden. „Realistisch betrachtet ist bis dahin aus einem Entstehungsbrand ein Vollbrand geworden. Auch ist es nicht zu tolerieren, dass eingeklemmte, schwer verletze Personen zukünftig über 20 Minuten ohne erforderliche Versorgung bleiben.“

Diese Zustände erscheinen der Wehr umso gravierender, als die Unnaer Feuer- und Rettungswache nur wenige 100 m vom Kreuz entfernt liege. „Vor diesem Hintergrund halten wir es für erforderlich eine Notauffahrt auf die A 1 in Höhe der Ortschaft Billmerich, in Fahrtrichtung Bremen, herzurichten.“

Schlussurteil der Feuerwehr: „Die aktuelle Prüfung der Gefährdungslage innerhalb des Autobahnkreuzes führt zu dem Ergebnis, dass die derzeitige Situation zur Anfahrt von Rettungskräften dauerhaft und in die Zukunft gerichtet nicht zu akzeptieren ist. Ferner wird die aufgeführte Situation durch einen aktuellen Einsatz am 06.12.2016 (Suizidversuch von der Autobahnbrücke Unnaer Straße) eindringlich bestätigt. Aus dieser Sicht bestehen erhebliche Bedenken gegen die beabsichtigte Planung.“

Die komplette Stellungnahme der Kreisstadt Unna zum A44-Ausbau steht im Haupt- und Finanzausschuss an diesem Donnerstag, 2. 2., auf der Tagesordnung. Beginn: 17 Uhr, Ratssaal.

Geplant ist:

Verkehrsverlagerungen: Nach Umbau des AK Dortmund/Unna können aufgrund der damit einhergehenden Verkehrsentflechtungen die Fahrbeziehungen Unna-Zentrum <-> A 40 Dortmund nicht mehr über das Autobahnkreuz abgewickelt werden. Es ist geplant, diese dann über die westlich des Kreuzes an der A 40 gelegene neue Anschlussstelle „Oelpfad“ abzuwickeln. Diese Anschlussstelle war Bestandteil des in 2013 durchgeführten Planfeststellungsverfahrens L 677 OU Holzwickede. Die vorzeitige Realisierung dieser Anschlussstelle ist die Grundvoraussetzung für den teilweisen Entfall der heutigen Anschlussstelle Unna Zentrum.

3 Brückenerneuerungen – Oberer Kohlenweg, Unnaer Straße, Iserlohner Straße. Die vorgesehenen Breiten reichen aus Sicht der Verkehrsplaner aus, “ um die aktuell auf den kommunalen Straßen vorhandenen Verkehrsbeziehungen abwickeln zu können.“

• Der Ausbau berührt zahlreiche kommunale Verkehrsflächen (Straßen, Wirtschaftswege, Fuß- und Radwege). Bei allen Eingriffen sind Anpassungs-, Regulierungs- oder Neuherstellungsarbeiten vorgesehen.

 

Kommentare (7)

  • Helmut Brune

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    20 Minuten Anfahrt bis zum Einsatzort ist viel zu Lange. In ganz Holland ist es Vorschrift, daß Rettungskräfte innerhalb von 6 Minuten am Einsatzort sein können.

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  • Markus Antonius

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    Die Hilfsfrist, also die Zeit ab Alarmierung inklusive Disposition, Ausrücken und Anfahrt, soll bei Rettungsdiensten in den dichtbesiedelten Gebieten NRWs, und dazu darf man Unna wohl zählen, nicht mehr als 8 Minuten betragen. mit einer 150%igen Überschreitung wäre diese Soll-Bestimmung arg strapaziert. Und selbst die Bestimmungen für ländliche Gebitee, hier beträgt die Hilfsfrist 12 Minuten, wird locker überschritten. Bemessungsgrundlage in beiden Fällen ist, dass in 95% der Notfälle die Hilfe innerhalb der Hilfsfrist eintrifft.
    Für den Brandschutz gibt es übrigens solche Vorgaben meines Wissens nicht.

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    • Silvia Rinke

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      Danke für diese fundierte Info, Markus Antonius. Es zeigt, wie sehr die Kritik der Wehr berechtigt ist.

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  • Burkhard

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    Warum werden die Rettungskräfte nicht von Anfang an in die Planung mit einbezogen?
    Scheinbar ist da mal wieder zu kurz gedacht worden.

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  • fürst

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    Die Stellunganhme der Feuerwehr sollte wegweisend sein!“

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  • Mike

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    Die Hilfsfrist betrifft auch die Feuerwehr.

    Der Vorschlag ist sehr zu begrüssen, der Autobahnabschnitt ist hier einer der am stärksten berfahrenen.

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    • Silvia Rinke

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      Die Einwände werden hoffentlich ernst genommen, ja, Mike.

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