Rundblick-Unna » 15 „Schätze der Musik“ von großartigem Streichertrio gehoben

15 „Schätze der Musik“ von großartigem Streichertrio gehoben

Bausenhagen Vor zwei Jahren geigte sich die wunderbare Marie-Claudine Papdopoulos allein in die Herzen der Fröndenberger und Unnaer Klassikliebhaber. 2013 kehrte sie im Duett mit Alexandre Vay zurück und nun am Freitagabend im Trio: mit Cellopartner Vay sowie Filip Michal Saffray an der Bratsche. Das hochklassige Sommerkonzert mit Werken von Bach und Mozart sorgte für einen Rekordanddrang in der malerischen Bausenhagener Dorfkirche, für die die Evangelische Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen – in Kooperation mit dem Kirchenkreis Unna – erneut als Gastgeberin zeichnete.
Dem Kulturkreis der Unnaer Wirtschaft mit dem früheren Stadtdirektor Klaus Dunker dankte Pfarrer Achim Heckel herzlich für das abermalige Engagement der fantastischen jungen Geigerin, die mit ihren kongenialen Konzertpartnern als „Trio Nisyros“ ganze 15 (!) dreistimmige Sinfonien von Johann Sebastian Bachs vortrug. „Jedes Stück ist in einer anderen Tonart“, erkläuterte Alexandre Vay emphatisch, „jedes ist ein Schatz, ein Meisterwerk. Sehr virtuos, sehr schwer für die Musiker. Es hat uns wirklich sehr viel Freude gemacht, sie für Sie vorzubereiten!“ Derart euphorisch eingestimmt, lauschten die Konzertbesucher sichtlich hingerissen (manche durchgehend mit geschlossenen Augen) dem virtuosen Spiel der drei, die sich nur mit kurzen Blickkontakten und Lächeln verständigten und doch minutiös auf den Punkt das Spiel der anderen trafen, einstimmten, ergänzen, sich wieder zurückzogen.
Der Originaltitel der 15 dreistimmigen polyphonen Sätze lautet „Aufrichtige Anleitung“: Denn Bach schrieb sie als Lehrstücke für aufstrebende Musikschüler und gleichzeitig modellhafte Anweisung zum Komponieren. Sie sind aufsteigend nach Tonarten geordnet, abwechselnd in Dur und moll. Im ständigen Wechsel übernimmt mal die Geige jubelnd die Führung, mal beginnt verhalten das Cello; Violine und Bratsche stimmen mit Seufzermotiven ein (Sinfonie c-moll). Dann wieder überbieten sich die drei Streicher gegenseitig mitreißend im stilisierten Tanz (Sinfonie E-Dur). Ein Genuss, besonders die zierliche Marie-Claudine Papadopoulos bei ihrer Darbietung zu beobachten, die vor Energie vibriert und bei den schnellen, ja atemlosen Geigenparts offenbar am liebsten von ihrem Stuhl aufspringen möchte.
Nach der virtuosen abschließenden h-moll-Sinfonie geht ein atemloses Raunen durch die Kirchenbänke („… unglaublich!“), gefolgt von minutenlangem Beifall. Nach der Pause gibt es noch Mozart zu genießen: sein Divertimento in Es-Dur, das längste Kammermusikwerk des Salzburgers im bestens sommerkonzert-geeigneten Volksmusikstil. Das Verhältnis der drei Streichinstrumente zueinander ist völlig ausgewogen, unter den sechs Sätzen ragt besonders Adagio heraus: in As-Dur komponiert und eines der großartigsten langsamen Sätze der Kammermusik. (Silvia Rinke)

Kommentieren