Rundblick-Unna » Ein Schrittmacher feiert Premiere am Katharinenhospital

Ein Schrittmacher feiert Premiere am Katharinenhospital

Chefarzt Dr. Klaus Weber (l.) und Oberarzt Dr. Jan Börgel haben Frank Ohrndorf den Schrittmacher eingesetzt. Foto: Tobias Kestin

Chefarzt Prof. Dr. Klaus Weber (l.) und Oberarzt Dr. Jan Börgel haben Frank Ohrndorf den Schrittmacher eingesetzt.

Warum hat jemand Bluthochdruck? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Viele Faktoren spielen eine Rolle, viele Fachgebiete und eben so viele Fachärzte können in ihrem Fachgebiet eine Ursache finden. Hand in Hand geht das im Hochdrucklabor des Katharinen-Hospitals Unna. Und dort bekommen die Patienten nicht nur eine Diagnose in die Hand gedrückt, sondern ihnen wird geholfen – manchmal auch mit einer Weltneuheit.

Wie einen Schrittmacher, der direkt an der Halsschlagader sitzt und dort den Blutdruck regelt. Frank Ohrndorf ist erst der 120. Patient weltweit, der diesen Schrittmacher bekommen hat – im Katharinen-Hospital Unna, die erste nichtuniversitäre Klinik in NRW, die dieses Verfahren anbietet.

Der Herzschrittmacher liegt dabei wie gewohnt in der Fettschicht der Brust, die Elektroden direkt an der Halsschlagader. „Dort sitzt der körpereigene Blutdruckregler“, beschreibt Chefarzt Prof. Dr. Klaus Weber die Barorezeptoren. Über sie misst das Gehirn die Höhe des Blutdrucks.

Wenn die Elektroden des Schrittmachers ein Signal aussenden, dann führe das zu einer zentral gesteuerten Hemmung des Sympathikus-Stress-Nerven. Dadurch sinkt der Blutdruck.

Optimaler Blutdruck unter 140/90

Dieser Schrittmacher reguliert den Blutdruck des Patienten. Fotos (2): Tobias Kestin

Dieser Schrittmacher reguliert den Blutdruck des Patienten. Fotos (2): Tobias Kestin

Auch Frank Ohrndorf leidet länger unter Bluthochdruck und den Nebenwirkungen. „Ist in der Familie veranlagt“, sagt der 48-Jährige salopp. So schlimm, dass er teilweise nicht mehr durchschlafen konnte, „morgens hatte ich dann keinen Hunger auf Frühstück.“ Dazu Kopfweh, Schwindel. „250/180“, sagt der Patient.

Mittlerweile ist der Bluthochdruck nicht mehr so hoch, im Februar war die Operation, mittlerweile ist sein Blutdruck deutlich gesunken. Noch ist das kein optimaler Wert unter 140/90, aber Ohrndorf ist auf einem sehr guten Weg dorthin, sagt Oberarzt PD Dr. Jan Börgel. Der Oberarzt hat das moderne Verfahren nach Unna gebracht hat.

Laut einer Studie sinkt der Blutdruck bei 9 von 10 Patienten (88 Prozent) um 29 mmHG, bei mehr als der Hälfte der Patienten sinken die Blutdruckwerte in den Normbereich unter 140 mmHG. Dann müssen die Patienten weniger Medikamente nehmen.

Nachregelung am Computer

Frank Ohrndorf hat nun einen leistungsfähigen Schrittmacher im Körper. Im Gegensatz zu traditionellen Herzschrittmachern, die etwa Herzschläge messen können, müssen die Ärzte seinen Blutdruck aber noch selbst überprüfen: Über das Internet. „Das Land hat jüngst noch Fördermittel für die Telemedizin zur Verfügung gestellt, hier leben wir es schon“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Klaus Weber.

Blutdruck messen über das Internet

Drei Mal am Tag misst Ohrndorf seinen Blutdruck. Wenn er in der Nähe seines Internetanschlusses ist, werden die Daten direkt an den Laptop des Arztes übermitteln. Der kann die Daten kontrollieren, den Blutdruck über Medikamente und die Schrittmachereinstellungen weiter verbessern.

Dafür muss Ohrndorf aber doch noch in die Klinik kommen: Dort regelt Dr. Jan Börgel, Leiter des Hochdrucklabors den Schrittmacher per Laptop. „Wir passen das System individuell an den Patienten an. Nicht nur die Dosis der Therapie auch tageszeitliche Stimulation können programmiert werden“, sagt Dr. Börgel. Alle paar Wochen programmiert der Doktor den Schrittmacher neu. „Bis wir die optimale Einstellung gefunden haben“, sagt Dr. Börgel.

Operation dauert nur eine Stunde

Eine Stunde operiert das Team mit Ärzten und Pflegern. Foto: Katharinen-Hospital Unna

Eine Stunde operiert das Team mit Ärzten und Pflegern. Foto: Katharinen-Hospital

Die Operation dauert etwa eine Stunde. Neben den Spezialisten des Katharinen-Hospitals war auch eine Neurochirurgin des Marienkrankenhauses Soest zu Gast im Operationssaal in Unna. Sie hat die Elektroden an der Halsschlagader angebracht.

Die erste Generation des Schrittmachers war noch vergleichsweise groß und die Ärzte mussten zwei Elektroden an der Halsschlagader anbringen. Mittlerweile ist es nur noch eine. Für die OP in Frage kommen nur Menschen mit schwer einstellbarem Bluthochdruck, bei denen andere Ursachen bereits ausgeschlossen wurden.

Bevor die Patienten operiert werden, werden sie eine Woche lang intensiv durchgecheckt, davon zwei Tage stationär, nachts im Schlaflabor und tagsüber im Hochdrucklabor. Dort nehmen Spezialisten auch Blut direkt an der Niere ab, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Warteliste mit 100 Blutdruck-Kranken

In Deutschland leben rund 25 Millionen Menschen mit Bluthochdruck, davon wird ein Drittel (8 Millionen) behandelt, davon ein Drittel richtig (2,6 Millionen), sagt Chefarzt Prof. Dr. Klaus Weber. Rund 100 von ihnen will im Hochdrucklabor des Katharinenhospitals behandelt werden – alle stehen auf einer Warteliste. „Wir haben Patienten von Rostock bis Libyen“, sagt Oberarzt Dr. Börgel. Und auch die Kollegen aus aller Welt interessieren sich für das Hochdrucklabor: Jüngst hat der amerikanische Arzt Dr. Stephen Lewis vom TriHealth Institute im Drucklabor hospitiert. Er will die Arbeitsweise aus Unna nach Cincinati bringen.

Kommentieren