Rundblick-Unna » 1341 Mal „Nein!“ zu Gewerbegebiet an Unnas Stadtgrenze: Bürgerinitiative erreicht Neuberatung über Schürenfeld

1341 Mal „Nein!“ zu Gewerbegebiet an Unnas Stadtgrenze: Bürgerinitiative erreicht Neuberatung über Schürenfeld

„Wir wollen dieses Gewerbegebiet nicht.“ Eine Botschaft, schlicht, klar und überdeutlich. Unterschrieben ist sie 1341 Fröndenberger Bürger, die ebenfalls „dieses Gewerbegebiet“ nicht wollen: Das an der Grenze zu Unna geplante, nahe der B 233 am Schürenfeld. Billmerich ist einen Steinwurf entfernt, direkt ans Schürenfeld grenzt das Naturschutzgebiet Strickherdicker Bach.

Schürenfeld

Der Rat der Ruhrstadt hat die Ausweisung für Gewerbe bereits beschlossen. Aber die rührige Bürgeriniative um Andreas und Frauke Hennemann bringt den Beschluss jetzt wieder ins Wanken. Sie kippt ihn nicht, das (noch) nicht direkt, doch das Thema wird jetzt im Stadtrat zeitnah wieder neu aufgerollt. Dies stellte Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe in Aussicht, als er am heutigen Mittag unter Teilnahme von rund zwei Dutzend Schürenfeld-Erhaltern und ziemlichen Presseaufgebot (auch der WDR war da) den dicken schwarzen Aktenordner vollgepackt mit Bürgerunterschriften entgegennahm.

Schürenfeld

Genau 1341 haben den Antrag der BI unterzeichnet. 1120 wären nach dem vorgeschriebenen Schlüssel nötig gewesen, um eine neuerliche Diskussion im Stadtrat zu erreichen. Dieses Ziel ist erreicht. „Das ist gelebte Demokratie. Friedlich und sachlich setzen sich Bürger mit Erfolg für ihre Interessen ein“, freuen sich Frauke Hennemann und Doris Ballandat über den durchschlagenden Erfolg der BI, die ja in überraschend kurzem Zeitraum – seit dem 2. Advent, dem Auftakt beim Weihnachtsmarkt Dellwig – gut 200 Unterstützer mehr gewinnen konnte als benötigt.

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„Es hätten noch weitaus mehr Bürger unterschrieben. Insbesondere auch aus Billmerich. Die sind ja direkt von dem Gewerbegebiet betroffen“, weiß Landwirt Friedrich Westhelle aus Altendorf, der den „Protest-Trecker“ mit dem riesigen Protest-Laken „Erhaltet das Schürenfeld!“ heute Mittag zum Fröndenberger Rathaus gekarrt hatte. Ihm gehört die riesige Fläche angrenzend ans Strickherdicker Bachtal, die eine Mehrheit im Fröndenberger Rat und die Verwaltung als Gewerbegebiet ausweisen möchte.

Schürenfeld

Unterschriften aus den Nachbarn aus Billmerich in Unnas Süden zählen jedoch ebenso wenig wie solche aus Halingen oder Drüppplingsen auf Mendener Seite. „Aus beiden Nachbarstädten bekommen wir viel Unterstützung“, bestätigt Andreas Hennemann, „was uns riesig freut. Aber für einen Bürgerantrag müssen Bürger der jeweiligen Stadt oder Gemeinde unterschreiben.“ Erst- oder Zweitwohnsitz ist dabei unerheblich. Mit beiden zusammen kommt die Ruhrstadt auf rund 22 000 Einwohner, daraus errechnete sich die Mindestzahl an erforderlichen Unterstützern.

Schürenfeld

Friedrich Westhelle betont: „Es geht uns nicht darum, Gewerbeansiedlungen zu verhindern. Wir sind keine Arbeitplatzverhinderer. Ich bin selbst Unternehmer.“ Westhelle engagiert sich in der Mittelstandsvereinigung (MIT) Kreis Unna, die sich für interkommunalen Austausch und Zusammenarbeit einsetzt. „Wir wollen genau diese Fläche am Schürenkamp nicht als Gewerbegebiet“, verdeutlicht der Altendorfer den Standpunkt der BI. „Sie wird komplett landwirtschaftlich genutzt und grenzt an ein Naturschutzgebiet. Und Gewerbeansiedlungen dort würden massive Verkehrsbelastungen auf der B 233 mit sich bringen.“ Interkommunale Zusammenarbeit sei bei Gewerbeflächen weitaus sinnvoller, findet Westhelle. Gespräche mit Unnas Bürgermeister Werner Kolter habe es erst kürzlich gegeben. Doch Unna hat sich mit den Nachbarn im Norden auf das interkommunale Gewerbegebiet am Kamen Karree verständigt, „ein Projekt für die nächsten 20 bis 25 Jahre“, weiß auch Friedrich Westhelle.

Schürenfeld

Die Hauptargumentation der Gegner: Es gibt gar nicht genügend interessierte Firmen für diese riesige Fläche. Bisher habe die Stadt kein einziges ansiedlungswilliges Unternehmen vorweisen können. „Wo sollen denn diese vielen Firmen mit ihren vielen Arbeitsplätzen noch herkommen? Die Rede ist von 100 000 Quadratmetern“, argumentiert Andreas Hennemann. Überzeugte Befürworterin des Gewerbegebiets ist zusammen mit SPD und CDU die Freie Wählergemeinschaft (FWG). Ihr Hauptargument: Fröndenbergs Westen brauche Arbeitsplätze. Ohne Zuzüge könne man um die westlichen Stadtteile alsbald einen Zaun ziehen und „Altersheim“ dranschreiben.

Schürenfeld

So geht es jetzt weiter: Bürgermeister Rebbe wird die Gültigkeit der Unterschriften zunächst prüfen lassen. Das dauert zwei, drei Wochen, stellt er in Aussicht. Sodann könnte der Rat noch im April darüber beraten, wie er weiter mit dem Thema umgeht. Natürlich kann er sich auf seine bisherige Position zurückziehen und die Planung des Gewerbegebiets weiter vorantreiben. Doch die BI ist sich sicher: So einfach wird das mit diesem öffentlichen Gegendruck jetzt nicht mehr. Nächster Versammlungstermin der BI ist der 15. April, 19 Uhr, in Dellwig.

Schürenfeld

Elf Argumente der BI gegen das Gewerbegebiet Schürenfeld

1. Zu hohe Erschließungskosten, sinnloses Hinauswerfen von Steuergeld.

2. Das direkt angrenzende Naturschutzgebiet „Strickherdicker Bachtal“ und das Landschaftsschutzgebiet „Dellwig Nord“.

3. Natur wird verschandelt, gutes Ackerland vernichtet.

4. Täglich ca. 25 % mehr Verkehr (4700 Kfz) auf der ohnehin stark befahrenen B 233.

5. Eine weitere Ampel – unterhalb Heideweg/Schürenfeld – bedeutet 3 Ampeln zwischen Ruhrbrücke Langschede und Wilhelmshöhe.

6. Ausweichverkehre durch Nebenstraßen in Langschede, Ardey und Dellwig.

7. Enorme Lärm- und Abgasbelästigung.

8. Fröndenberg hat reichlich leere Gewerbeflächen (30 000 qm).

9. Bedarf an Gewerbeflächen ist laut RVR in Fröndenberg „ausgeschöpft“.

10. Junge Familien ziehen nach Fröndenberg, um im Grünen zu wohnen und nicht neben einem Gewerbegebiet.

11. Fröndenbergs Innenstadt muss attraktiver werden – das erreicht kein neues Gewerbegebiet.

Zur Facebookseite der Gegner: https://www.facebook.com/pages/B%C3%BCrgerinitiative-gegen-das-Gewerbegebiet-Sch%C3%BCrenfeld/407086416115784?fref=ts

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