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100 000 € für neue Stühle im Ratssaal? CDU: „Relativ kleiner Betrag, aber….“

Sind 100 000 Euro happig – oder „Peanuts“? Nach Ansicht des CDU-Fraktionschefs Gerd Heckmann sind 100 000 Euro „ein relativ kleiner Betrag“.

Wobei sich natürlich immer die Frage stellt, zu was man sie gerade in „Relation“ setzt. Jedenfalls ging es am gestrigen Abend im Haupt- und Finanzausschuss um 100 000 Euro – auszugeben (oder nicht) für neue Stühle im Ratssaal.

Die alten sind derart hinüber, beschwerte sich Klaus Göldner (Freie Wähler; FW/FLU), dass er beim Sitzen Rückenschmerzen bekomme. Die anderen Fraktionen fassten dieses brenzlige Thema (Steuergeldverschwendung..?) erheblich vorsichtiger an. An 100 000 Euro für Stühle wollte sich offenbar niemand die Finger und den Mund verbrennen, wo doch im Sparhaushalt 2015/2015 schon ganz andere – vergleichsweise lächerliche – Beträge Riesendiskussionen entfachen.

Ein Zehntel dieses „relativ kleinen Betrags“ (CDU/Heckmann) hätte z. B. das Theater Narrenschiff gern gehabt, um endlich seinen ehrenamtlichen Akteuren eine kleine Anerkennungsgage zahlen zu können. Wird nichts draus, da kein einziger Zuschuss in den kommenden zwei Jahren erhöht wird. Ok, es fällt auch keiner weg. Ausgenommen der (eventuell) für die Werkstatt im Kreis Unna.

Stuhl im Ratssaal

Verschlissenes Sitzmöbel. So sieht zuweilen ein 27 Jahre alter Stuhl aus, wenn er eifrig „besessen“ wird.

Zurück aber zum ursprünglich geplante Verwendungszweck des Geldes: Stühle. Für die Grünen ein Unding, im Doppeljahr des Haushaltssicherungskonzepts eine solche Unsumme für bequemes Sitzen von Ratsvertretern herzugeben. Dies sei ein absolut verkehrtes Signal, unterstrich Parteichefin Charlotte Kunert. Und beantragte für ihre Fraktion, die sechsstellige Ausgabe rigoros zu streichen. Den identischen Antrag stellte die Linkspartei.

Abgesehen von der FLU schwenkten die anderen Fraktionen sämtlich tendenziell auf grüne Linie ein – mit dem Alternativvorschlag allerdings (so die CDU), dass man die Stühle zunächst doch auch mal neu beziehen bzw. polstern lassen könne, das werde bestimmt um einiges billiger als gleich den ganzen Schwung neu zu kaufen.

Auf irgendwelche Kompromisse wollte sich nun aber die Grünen-Chefin partout nicht einlassen. Entweder, forderte Kunert energisch, die 100 000 Euro würden jetzt und heute Abend aus dem Haushalt gestrichen, oder das leidige Stuhlproblem komme eben am nächsten Donnerstag (27. 11.) in der Ratssitzung erneut auf den Tisch. Kommt es jetzt auch.

Für FLU-Chef Göldner sind die ausrangierten Sitzmöbel eine  Zumutung. „Die Stühle sind 27 Jahre alt“, kritisierte er. Durchgesessen, verschlissen, und wenn man längere Zeit darauf verbringen müsse (wie eben im gestrigen Hauptausschuss), bekomme man eben Rückenschmerzen. Er zumindest.

Zwar bekannte sich auch der ihm gegenüber sitzende Volker König (SPD) zu gewissen Unbequemlichkeiten auf den in die Jahre gekommenen Sitzmöbeln: „Je nachdem, wo man sitzt, sitzt man besser oder schlechter. Ich sitze bewusst auf diesem Stuhl und stelle auf dem anderen immer nur meine Tasche ab.“

Aber statt neue zu kaufen, schlug König unisono mit Gerd Heckmann vor, solle die Verwaltung doch erst einmal die Kosten einer Neupolsterung prüfen. Nein, die Grünen wollen das nicht. Und die Linkspartei will das auch nicht. Schluss und Ende der Debatte: Nächsten Donnerstag im Rat kehrt das Thema auf die Tagesordnung zurück.

 

Kommentare (6)

  • Gast

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    Es wurde gesagt, dass im Ratssaal noch die „besseren“ Stühle stehen, da die völlig kaputten gegen andere Besprechungsraumstühle getauscht würden. Es geht nicht nur um die Stühle im Ratssaal, sondern auch um die aus anderen Räumen, auf denen viele Ratshausmitarbeiter tagtäglich sitzen.
    Die gestrige Sitzung dauerte über 4 Stunden.
    Ich vermute mal, dass wir alle zu Hause keine Stühle haben, die 27 Jahre alt sind.
    Da bin ich mal gespannt, ob Neukauf oder Reparatur günstiger ist. Privat macht man sich da keine so langen Gedanken. Wenn etwas kaputt ist, wird’s weggeschmissen und neu gekauft.

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  • Anette Kaufmann

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    Sollen sich Herr Heckmann und Kollegen doch ein Kissen mitbringen! Wo kein Geld, da keine neuen Stühle! Vielleicht sollten die rückenschmerzgeplagten Herren ihren Bewegungsapparat häufiger/besser trainieren oder sich vom Orthopäden behandeln lassen. Es gibt da viele Möglichkeiten!

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  • Gast

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    Also sollen diejenigen, die bereits einen Bandscheibenvorfall hatten, bestraft werden ? Ich erinnere, dass Rückenleiden eine Volkskrankheit sind. Der normale Arbeitnehmer darf einen neuen Bürostuhl erhalten, der ehrenamtlich tätige Politiker nicht ?! Euer Chef freut sich bestimmt, wenn er demnächst kein Geld mehr für Eure Bürostühle ausgeben braucht, weil ihr ja dann ein Kissen mit zur Arbeit nehmen könnt.

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  • Markus

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    Wie alt sind eigentlich die Stühle in unseren Grundschulen etc.?
    Sind diese der Körpergrösse der Kinder angepasst und Rückenschonend?
    Und für medizinisch notwendige Stühle gibt es soweit ich weiss sogar Zuschüsse vom Staat bzw. Krankenkasse.

    Desweiteren ist es mitnichten so, dass der Arbeitnehmer regelmäßig neue Stühle erhält. Viele müssen sich wahrlich ein Kissen von zu Hause mitbringen. Die private Wirtschaft ist kein Selbstbedienungsladen in dem es regelmäßig alle paar Jahre neue Stühle gibt.
    Ich habe 20 Jahre für einen neuen Schreibtisch gekämpft.
    20 Jahre an einem Teil aus den 50igern gearbeitet und 10 Jahre auf Aldi Bürostühlen gesessen.

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  • Markus

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    Sollte jetzt nicht heißen, dass ich den Politikern und Verwaltungsangestellten keine neuen Stühle gönne. Ganz im Gegenteil.
    Aber die Damen und Herren könnte ja ihre Fraktionszuwendung um 100.000 Euro kürzen. Von dem Geld dann die Stühle kaufen. 😉

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  • Gast

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    In das Schulmobiliar wird regelmäßig investiert, einfach mal vor denSommer- oder anderen Ferien Zeitung lesen, und ja, sogar kindgerecht.
    Ende des Jahres wird man sehen, was die einzelnen Fraktionen der Parteien so gespart haben und an die Stadtkasse zurückgeben. Man darf gespannt sein.

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