Rundblick-Unna » 10 Jahre Produktionsschulen der Werkstatt – letzte Chance für die, die durch jeden Rost fallen

10 Jahre Produktionsschulen der Werkstatt – letzte Chance für die, die durch jeden Rost fallen

Produktionsschulen für benachteiligte Jugendliche: ein damaliges Modellprojekt der Werkstatt im Kreis Unna feiert 10. Geburtstag. „Ein fester Baustein im neuen Übergangssystem zwischen Schule und Beruf“, lobte NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer beim Festakt am Mittwoch. Die im Kreis Unna entwickelten Produktionsschulen seien zur „Wiege der Produktionsschulen in NRW“ geworden.
In Produktionsschulen lernen die jungen Menschen im Prozess an realen Aufträgen. Dies sei, so Schmeltzer, „unverzichtbar für junge Menschen, die in allen anderen Bildungsangeboten scheitern. Wir dürfen keinen zurücklassen.“
2013 habe es landesweit gerade mal 510 Plätze gegeben. Heute seien es 2.830 Plätze, die das Land „mit erheblichem Aufwand“ fördere. 180 Produktionsschulplätze bietet die Werkstatt in der Region Dortmund-Kreis Unna-Hamm an,
Den Bedarf betonten auch der Chef der Agentur für Arbeit, Thomas Helm, und Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer des Jobcenters im Kreis Unna: Trotz wirtschaftschaftlichen Aufschwungs fehlten Lehrstellen, und gerade Jugendliche und junge Erwachsene mit Problemen und fehlendem Schulabschluss gingen leer aus. „Wir können uns nicht leisten, dass wir diese jungen Menschen ganz verlieren“, sagte Helm.
Werkstatt-Geschäftsführer Herbert Dörmann konnte bestätigen: Rund ein Fünftel der Jugendlichen werde leider vom Regelschulsystem nicht erreicht – „zum Beispiel, weil ein Schulverweigerer eben nicht mehr zur Schule geht.“ Dass diese Jugendlichen durch Lernen an spannenden Aufträgen wieder Perspektiven fänden, bewiesen die Produktionsschulen, so Dörmann: Von Bänken und neuen Außenbereichen für Kitas und Schulen über Buswartehäuschen bis zu Ausstattungen für Flüchtlingsheime reicht das Spektrum der Projekte. Die Teilnehmer der Produktionsschule akquirieren die Auftragsarbeiten, planen im Team die Umsetzung und realisieren sie.
Produktionsschulen richten sich an junge Menschen, die keine Ausbildungsstelle oder Arbeit finden. Häufig fehlen Schulabschlüsse, und negative Schulerfahrungen blockieren den Start in Aus- und Weiterbildung. Produktionsschulen sind organsiert wie kleine Unternehmen. Sie arbeiten an realen Aufträgen, z.B. für gemeinnützige Einrichtungen. Jeder Auftrag enthält Anforderungen an Fachwissen, z. B. in Mathematik oder Fachsprache, der Auftrag schafft somit den Lernanlass und Lernen erfolgt im Prozess der Arbeit. Die Jugendlichen akquirieren die Aufträge selbst und sind auch in die Kundenabnahme einbezogen. So entstand beispielsweise ein neuer Bolzplatz für Flüchtlingskinder im Integrationszentrum in Massen.

10_Jahre_PS_1z

Mit Arbeitsminister Schmeltzer (li) fröhlich um die 10 versammelt.

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